6. Juli 2018 – Umfärbung der Trauben, leichte Laubarbeiten, letzter Pflanzenschutz

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Seit ein paar Tagen ist die beginnende Umfärbung der mächtig angeschwollenen Trauben nicht mehr zu übersehen (z. Vergleich siehe das erste Bild auf dem Eintrag vom 12. Juni): alle Sorten sind zunächst grün, Weißwein geht mit der Reifung ins Gelbliche, Rotwein ins Blauviolette. Dabei sind bei den allermeisten Rotweinsorten nur die Schalen blau, das Fruchtinnere ist aber hell wie bei Weißwein. Darauf kommen wir später im Jahr noch einmal bei der Vermaischung und Vergärung zurück, denn dieser Unterschied erfordert eine andere Art der Verarbeitung.

Ob die Umfärbung heuer nicht etwa viel zu früh und der Wachstums- und Reifungszyklus insgesamt nach vorne verschoben ist, werden wir erst Anfang September sehen. Denn übermorgen fahren wir zurück nach Frankfurt und überlassen den Wein für etwa 8 Wochen sich selbst. Mitte der ersten Septemberwoche sind wir wieder hier und müssen möglicherweise sofort mit der Ernte der schon überreifen Trauben beginnen. Es kann aber auch sein, dass wir die Stöcke gesund und die Trauben süß antreffen und abhängig vom Wetter und was sonst so zu tun ist noch ein paar Tage oder auch Wochen hängen lassen können.

Was wir dem Weingarten bis dahin jetzt noch mitgegeben haben: einen Sommerhaarschnitt und die Befreiung von überschüssigen Trieben und nachwachsenden Blüten. Alles was über dem höchsten Querdraht hinaus schaut ist stark eingekürzt.

Seit Anfang Juni nachgewachsene Triebe sind nur dann erhalten worden, wenn sie die Trauben beschatten. Die brauchen erst im Endstadium der Reifung direkte Sonne, vorher ist die eher weniger zuträglich. Vor  allem aber haben wir Jagd auf frische Blüten gemacht, denn aus denen werden durchaus noch Trauben.

Die reifen aber in diesem Jahr nicht mehr, ziehen aber trotzdem Nährstoffe ab, die besser denen Trauben zukommen, aus denen unser diesjähriger Wein entsteht.

Der Berichtspflicht geschuldet sei noch angemerkt, dass sich das Krankheitsbild verschiedener Stöcke nicht wirklich verbessert hat. Die Rotverfärbung mit nachfolgendem Verwelken der ganzen Blätter ist jetzt sogar auf einigen weitere Stöcke zu sehen.

Wir haben keine Ahnung was es ist und was man tun könnte. Und wenn man nichts weiß und nichts hilft, kann man ja immer auf Kupfer und Schwefel zugreifen. Entsprechend gibt es morgen – der treue Leser wird es ahnen – für dieses Jahr noch die letzte Runde dieser allseits beliebten Stoffe auf die Blätter. Das kann jetzt nichts schaden, aber vielleicht doch nutzen. Und mit 8-10 Wochen Vorlauf auf die Ernte ist auch genug Zeit, dass sich das Zeug natürlich wieder abbaut. Die so genannte „Wartezeit“ für das Präparat beträgt ohnehin nur 21 Tage.

Im Grunde sind wir mit dem seit Beginn dieser Aufzeichnungen Gesagten beinahe für den Jahrgang 2018 mit der „Grünwirtschaft“, also der Arbeit an der Pflanze, fertig, dabei allerdings mit riesigen Sauseschritten von Episode zu Episode gesprungen. Allenfalls ist noch im Herbst das Laub zurück zu schneiden, so dass die Trauben direkte Sonne bekommen. Alle weiteren Arbeiten danach an den Pflanzen sind schon wieder eher Vorbereitungen, die dem Jahrgang 2019 zugute kommen. Da gerade der Rotwein nach der Ernte bis zur Abfüllung ein Jahr oder auch mehr braucht bis er in Flaschen kommt und noch später getrunken wird, hat man eigentlich immer unterschiedlichste Arbeit in Weingarten und Keller mit 2-3 Jahrgängen gleichzeitig. Was wir also in diesem Jahr etwa für den 2017-er in den Fässern im Keller getan, aber hier nicht berichtet haben, beschreibe ich ausführlich sobald diese Arbeiten bei unser aller 2018-er anfallen. Soviel sei aber verraten: der 2017-er war schon zweimal im Labor, um die enthaltene Menge an freier schwefliger Säure zu ermitteln, die ihn vor zu schneller Alterung und Oxidation schützt. Und da die einmal zu gering war, musste der Wein aus den Fässern ausziehen, wurde frisch geschwefelt und in die Fässer zurück gesetzt.

Im Herbst wird er dann in Flaschen abgefüllt, denn die Fässer, in denen er jetzt sitzt, werden für den 2018-er gebraucht. Und wir haben die insgesamt vier 2017-er Tranchen in verschiedenen Fässern natürlich ausgiebig und fachmänisch mit dem Nachbarn verglichen und verkostet.

Was als Nächstes kommt: Anfang September werden das Kellerhaus aufgeräumt und Gerätschaften und Behältnisse gesäubert und bereit gestellt.  Dann werden wir den Weingarten zum vorerst letzten Mal in diesem Jahr betreten, mit Schere und Eimer in der Hand, zur Traubenernte. Die Trauben tragen wir dann gemeinsam in das Kellerhaus und ich erkläre gleichzeitig wie es weitergeht.

Für den Moment noch beste Sommergrüße mit dem Portraitfoto einer zugeflogenen Hirschkäferin. Leider wurde der Gatte noch nicht gesichtet, aber ich freue mich hier auch so regelmäßig über die Begegnung mit vielen Viechern, die ich in Deutschland noch niemals gesehen habe.

Im Moment bin ich so ein großer Verehrer der Äskulapnatter, die gelegentlich bei uns sonnt und auch schon versucht hat, ihr Winterquartier in unserem Weinkeller aufzuschlagen. Leider sehe ich sie nicht sehr häufig und meine Fotos sind meist unscharf. Sie ist ziemlich flink.

 

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