18. September 2018 – Intermezzo mit röhrendem Hirsch

Heute ist der Tag, an dem sich der 2017er und der 2018er Wein zum ersten Mal direkt „begegnen“.  Das Tagebuch soll eigentlich exemplarisch nur einen einzelnen Jahrgang begleiten, mit dem 2018er kommen wir jetzt aber nicht mehr weiter, wenn wir nicht den 2017er aus den Fässern räumen. Die Arbeiten heute und morgen am 2017er sind auch im Interesse des 2018er nötig, also sollen sie kurz miterzählt werden. Vertiefende Details dann aber erst wenn es beim neuen Jahrgang so weit ist, also in einem Jahr. Auf dem Foto sitzt in der abgedeckten Bütte links die Maische 2018, in den Edelstahltank links kommt der ungefilterte 2017er, der gefiltert in den Tank rechts läuft, wo er geschwefelt und danach in Flaschen abgefüllt wird (der Schichtenfilter befindet ich hinten und ist nicht sichtbar).

Wieder geht ein ganzer Tag für Vorbereitungen drauf. „Aus den Fässern räumen“ bedeutet nämlich auch 35 km entfernt in Szekszárd 200 neue Flaschen kaufen, 60 gebrauchte haben wir noch, und Korken dazu. Die Flaschen müssen erst einmal gewaschen werden.

Dann möchten wir den Wein filtern, was wir ein paar Jahre nicht mehr gemacht haben. Zuletzt hatte unser kleiner Schichtenfilter – noch so ein italienisches Designerteil – aber immer wieder für Kopfzerbrechen gesorgt. Nie hatten wir eine ideale räumliche Anordnung für die verschiedenen Gefäße und Schläuche gefunden. Unter anderem war ein Problem, dass die eingebaute, relativ schwache Pumpe den Wein vor dem Filtern aus einem etwa 1 Meter hohen Edelstahltank herausziehen musste. Jetzt versuchen wir, den Ansaugschlauch unten am Auslass des Tanks anzuschließen, der Wein läuft dann direkt von selbst in die darunter angeordnete Pumpe. Dafür gab es aber keine passende Verbindung. Der neu erdachte Anschluss funktioniert jetzt bestens, besteht aber aus VIER hintereinander gestückelten Einzelteilen, die aus verschiedenen Abteilungen eines Baumarkts erst zusammen gesucht und kombiniert werden mussten. Nachdem das geklärt war, gab es mehrere Stellproben mit Variationen  „was warum wohin“ kommt, damit niemand beim Hantieren über die Stromkabel und verschiedenen Schläuche stolpert und man einen guten Sitz- und Arbeitsplatz zum Handabfüllen neben dem zweiten Edelstahlgefäß hat, aus dem der gefilterte und letztmals geschwefelte Wein in die Flaschen kommt.

Wie das mit dem Filtern und Abfüllen genau ist, sehen wir dann im Herbst 2019.

Heute sei nur noch erwähnt, dass alle insgesamt 4 Tranchen 2017er Wein schon vor ein paar Tagen zur Analyse im Labor waren, bei einer hochprofessionellen Kellerei für großhandelskompatible Massenweine im Städtchen Bonyhád, das angenehmerweise gegen Gebühren auch Analysen für Privatpersonen macht. Insbesondere die Werte für die sogenannte „freie schwefelige Säure“ und die „gesamte schwefelige Säure“ interessieren, weil freier Schwefel die Haltbarkeit fördert und die Oxidation unterbindet, beim Gesamtwert aber Grenzwerte nicht überschritten werden dürfen. Der Moment vor Abfüllen in Flaschen ist die letzte Gelegenheit für Korrekturen. Das Labor hat aber auch den Alkohol- und den Säuregehalt ermittelt, wie auch den Restzucker. Das will man einfach wissen. Man kann zwar nichts mehr daran ändern, bekommt aber Denkanstöße, dies oder jenes im Rahmen der Möglichkeiten künftig anders zu machen. Die Werte werden natürlich sauber dokumentiert, wie alles was hier im Tagebuch  beschreibend vorgestellt wurde, von Anfang an auch mit Datum, Zahlen und kurzen Notizen in einer tabellarischen Übersicht festgehalten ist.

Am folgenden Tag haben wir dann insgesamt 186 Liter Wein aus 4 unterschiedlich eingelagerten Tranchen einzeln gefiltert und abgefüllt, überschlägig 240 Flaschen Monarch (unsere Sorte), Merlot (zugekauft) und auch Monarch-Merlot-Cuvée. Das ist definitiv zu viel und war nie so geplant, zumal auch eine weitere 2017er Tranche noch in einem 54 Liter-Fass sitzt und dort noch ein weiteres Jahr bleiben soll. Im vergangenen Jahr hatte ich vor der Ernte den Eindruck, dass wir nicht genug eigene Trauben haben und etwas vorschnell „sicherheitshalber“ 150 kg Merlot zugekauft. Wir werden die Mengen im kommenden Jahr stark zurückfahren, unsere Trink-, Lager-, Transport-, Verkaufs- und Verschenkmöglichkeiten sind erschöpft.

Unterdessen hat die 2018er Maische am Tag 6 nach der Weinlese die stürmische Gärung beendet, der Maischedeckel ist weich und lässt sich leicht unterrühren, wobei es jetzt nicht mehr stark aufschäumt. Wir werden die Maische abpressen sobald der 2017er Wein abgefüllt ist.

Ob unser 2018er Wein dann später „bio“ sein wird oder nicht, hängt wohl am ehesten von gesetzlichen Kriterien ab. Aber für weiche Faktoren wie „Ernte nach Vollmond“ haben wir schon Vergleichbares zu bieten: in den letzten Tagen wird die Gärung vom nächtlichen Röhren brünftiger Hirsche umsorgt, was sie ganz zweifelsfrei günstig beeinflussen und dem Wein eine besondere Note verleihen wird. Mucsi ist umgeben von sanften Hügeln, von denen verbuschte und verwilderte ehemalige Weinbergshänge bis sehr nahe ans Dorf reichen.

Das sind ideale Unterstände für Rotwild, von dem es reichlich gibt. Ein röhrender Hirsch kommt dann auch später aufs Etikett dieses Jahrgangs, wie wir bisher meist  markante Tierfotos aus dem jeweiligen Jahr verwendet haben.

 

Dieser Beitrag wurde unter Allgemein veröffentlicht. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.