13. Mai 2018 – Unscharfe Fotos, klare Linie: es geht weiter nach oben

Man will fast den Eindruck haben, dass der Wein heuer ein so genanntes „Mastjahr“ einlegt. Der Begriff ist gerade in aller Munde wegen des extremen Pollenflugs in Deutschland. Bestimmte Baumarten bilden in manchen Jahren und unregelmäßigen Abständen überdurchschnittlich viel Samen aus und kompensieren so niedrige Samenmengen der Vorjahre, während sie zuvor in den Holzzuwachs investiert haben.

Für den Wein passt der Begriff nicht wirklich, aber das Wachstum der letzten Wochen muss ebenfalls als extrem und außergewöhnlich bezeichnet werden. Auch spätere Sorten scheinen schon – 4 Wochen verfrüht – ans Blühen zu denken.

Die neuen Fotos des Nachbarn sind etwas verwaschen, aber eindeutig. Auch sein erst 2-jähriger Kaiserbaum schießt ins Kraut (unten).

 

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8. Mai 2018 – Anhaltend unheimliches Wachstum

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Neue, heute mit E-Mail eingetroffene Fotos zeigen 70-80 cm lange Triebe, dicke Blütenansätze und voll entfaltete Blätter. Das war nach den letzten Berichten zu erwarten, ändert aber nichts daran, dass man solches zu diesem Zeitpunkt des Jahres noch nicht gesehen hat.

Für das Jahr 2012 kann ich sogar einen direkten Vergleich anstellen: Sehr gut erinnere ich mich an den Morgen des 6. Mai. Raureif auf dem Gras vor dem Haus, die Fenster beschlagen, es ist ist empfindlich kühl. „Hast Du schon nach dem Deinem Wein geguckt?“ fragt meine Mutter am Telefon von Deutschland herüber, nachdem ich ihr die übliche Frage „Wie ist denn so das Wetter?“ beantwortet habe.

2012 waren wir noch etwas grün hinter den Ohren, was haben Nachtfrost und die Eisheiligen mit unserem Wein zu tun? Der war Ende April gerade ausgetrieben und hatte erste, knapp fingerlange schüchterne Triebe. Ich tappe in eilig übergestülpten Gummilatschen hoch zum Weingarten und ahne was passiert ist: zum größten Teil werden die jungen Triebe absterben. Nicht dass wir 2012 aus nachgewachsenen Trieben nicht noch einen besonders guten und konzentrierten Rotwein bekommen hätten, aber ich habe nie vergessen, wie groß oder eben klein die Triebe an jenem 6. Mai 2012 waren. Und staune, wie weit sie in diesem Jahr zur etwa gleichen Zeit entwickelt sind. Und das von Null auf Hundert in etwa 4 Wochen (vgl. die Fotos im Eintrag vom 7. April!).

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25. April 2018 – Frühere Wachstumsprognosen Schall und Rauch!

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„Unser lieber Nachbar auch“ schickt Fotos, die verblüffen und meine Wachstumsprognosen erschüttern, sowohl was den Wein als auch was das Gras betrifft. Eigentlich hätte man nämlich die letzten Wochen den Wein auch noch 1.000 km entfernt in Frankfurt wachsen hören müssen.

Die Triebe dürften in den vergangenen nur 18 Tagen auf über 20 cm gewachsen sein, die unteren Blätter sind noch zartgrün, aber schon entfaltet. An der Spitze dicke, fette Blütenansätze („Gescheine“). Der Umfang der Stängel ist enorm. Es ist kaum vorstellbar, dass sie aus den im letzten Beitrag abgebildeten Augen innerhalb weniger Tage förmlich herausgesprungen sein müssen.

Was war die Prognose? „….dass bis Ende Juni die eigentliche Blüte abgeschlossen ist und man den Trieben, von denen heute noch nicht eine Spur zu sehen ist, ab Mai beim Wachsen zusehen kann. Sie werden schnell 80, 120, 140 cm lang sein.“ So weit so gut, Herr Lehmann. Wir korrigieren aber auf „….ab Mitte April beim Wachsen zusehen“ und auf „….werden schnell „80, 160, 240 cm lang sein“.

Im Ernst, unsere Rebensorte erinnert manchmal stark an die Pflanze aus „Der kleine Horrorladen“, nur dass sie nicht beißt. Die Kombination aus Dutzende Meter tiefem reinen Lehmboden, der so genannten „Unterlage SO4“ (Neugierige bitte bei google nachschlagen!) und der Rebsorte „Monarch“ scheint so eine Art Weinstockmonster hervorzubringen, die schneller wachsen als die Rebschere „schnipp“ oder „schnapp“ machen kann.

Im Juni werden wir jedenfalls stark zurück schneiden müssen, einzelne Triebe auch mehr als einen Meter. Sonst kommen wir später nicht  mehr durch den Dschungel.

Das zweite Foto vom 25.4. von unserem Gelände verblüfft mich ebenfalls: das Gras steht knapp einen halben Meter hoch, ein etwas unkonventionell aussehender „Rasentraktor“ mit mir unbekanntem Pilot rauscht durch die Wiese.

Die Geschwindigkeit, mit der das Gras in die Höhe schießt, macht mir Sorge. Der Mähservice hingegen beglückt mich. Wir hatten schon einmal im Frühsommer – nachdem seit dem Winter niemand Hand angelegt hatte – 1,80 Meter hohe Brennnesseln und auch Beifüße vorgefunden, die unten 3 cm dick und verholzt waren und nicht mehr mit dem Rasenmäher, geschweige denn einer Sense, zu fällen waren. Schrieb nicht schon Max Frisch etwas von „mörderischer Überfruchtung“? Ein paar Jahre Erfahrung mit eigenem Hausgarten und schon liest man die Klassiker der Weltliteratur mit anderen Augen und versteht Leute, die mit Unkraut-Ex hantieren, etwas besser. So eine Zwischenrodung ist jedenfalls hilfreich und beruhigend. Danke, Herr Nachbar und Herr Pilot! Bitte alles aufschreiben und verrechnen.

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7. April 2018 – Dem Stock Nr. 7 zum Abschied tief in die Augen geschaut

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Stock Nr. 7 in der äußeren rechten Reihe hat ab sofort ein grünes Schleifchen und steht unter besonderer und dauerhafter Beobachtung.

Leider haben unsere – gleichwohl selbst gewählten – Lebensumstände zur Folge, dass wir den Weingarten erst im Juni wiedersehen, morgen geht es zurück nach Frankfurt. Hier an den Weinstöcken werden sich in den kommenden Wochen wundersame Dinge ereignen, die aber unsere Anwesenheit nicht zwingend erforderlich machen.

Ich dokumentiere jetzt abschließend auf Fotos den heutigen Entwicklungsstand von Stock Nr. 7, beispielhaft für alle übrigen. Nach Rückkehr im Juni  fotografiere ich die gleichen Stellen, so dass man wird sehen können, was in der Zwischenzeit passiert ist. Nr. 7 wird dann nicht wieder zu erkennen sein.

Heute präsentiert er sich noch als nacktes, laubloses Holzstäbchen, das aus einem etwa 60 cm hohen strubbeligen, verholzten Stamm herauswächst und leblos wirkt. Aber aus vielen Schnitten am Stock, die wir mit der Rebschere hinterlassen haben, tropft glasklarer Saft. Der Stock ist aktiv, die Wurzeln drängeln.

Auf der gebogenen Rute von Nr. 7 gibt es Verdickungen im unregelmäßigen Abstand von 7-12 Zentimetern („Internodien“). Wer genau hinsieht erkennt, dass diese „Augen“ schon anschwellen. Sie sind noch ein gutes Stück vor dem Aufplatzen und der Entwicklung neuer Triebe, Blüten und Blätter, aber doch deutlich über die Winterruhe hinaus. Als Nr. 7 im vergangen Jahr noch ungebogen und senkrecht zwischen den Drähten stand,  waren dort wo jetzt die Augen sind, Blattansätze oder Trauben. Für dem jeweiligen Entwicklungsstand eines Rebstockes im Verlauf des Jahres gibt in der Welt der Winzer jede Menge Bezeichnungen, sogar einen Zahlen-Code (s. https://de.m.wikipedia.org/wiki/BBCH-Skala_für_Weinreben), wir sind jetzt etwa bei „01“. Feine Differenzierungen sind für den Erwerbswinzer so wichtig wie die 1.000 Arten von Schnee für den Inuit, er muss spezifisch und schnell auf jede Störung beim Pflanzenwachstum reagieren. Weil wir keine Eskimos sind, belassen wir es für uns bei grobschlächtigen  Vereinfachungen wie eben Auge, Knospe, Blüte, Blätter, Trauben.

Wie wird Nr. 7 im Juni aussehen und was passiert bis dahin? Aus jedem Auge wird eine Knospe geworden sein, die aufplatzt, kleine zartgrün pelzige Triebe brechen hervor, an der Spitze zunächst noch eingerollte Blätter, aber mittendrin auch schon das „Geschein“, die Vorform der Blüte. Genau in diesem Moment bitte keinen Nachtfrost, sonst stirbt der Trieb ab. Der Stock rettet sich zwar, indem er „schlafende Augen“ aktiviert und noch einmal austreibt. Den daraus entstehenden Trauben fehlen aber im Herbst des Jahres wichtige Tage oder gar Wochen zum Ausreifen. „Time is sugar“, keine Frage.

Wenn die Gescheine diese kritische Phase überstanden haben, werden sie sich grazil entfalten, über dem Weingarten liegt ein dezenter Blütenduft. Die Triebe haben sich lang gestreckt und tragen Blätter. Man freut sich, hantiert aber besser nicht allzu viel an den Pflanzen herum, denn es droht ohnehin schon die „Verrieselung“ durch Wind, Starkregen und Hagel. Erst wenn die winzigen Fruchtansätze nach Wochen zu schrotkorngroßen grasgrünen Beeren geworden sind, die von gesunden Blättern ernährt werden, ist das Gröbste für dieses Jahr geschafft, von alleine fällt nichts mehr herunter. Dann müssen die Trauben nur noch mit viel Sonne ausreifen und nicht vom Fuchs gefressen werden.

Ich gehe davon aus, dass bis Ende Juni die eigentliche Blüte abgeschlossen ist und man den Trieben, von denen heute noch nicht eine Spur zu sehen ist, ab Mai beim Wachsen zusehen kann. Sie werden schnell 80, 120, 140 cm lang sein und hätten schon längst am Draht festgebunden werden müssen, damit sie möglichst gerade nach oben wachsen. Da können wir aber nur auf den lieben Nachbarn hoffen, der täglich unser Grundstück auf dem Weg zu seinem Garten quert und den die nicht zu übersehende Haltlosigkeit unserer nach unten hängenden Triebe dauert. Er gibt ihnen mitunter um die Blüte herum auch etwas von seiner Spritzbrühe ab. Unsere Rebsorte ist zwar der Papierform nach pilztolerant, aber unverwundbar ist sie in keinem Fall.

Die Triebe werden übrigens im unregelmäßigen Abstand von 7-12 Zentimetern Verdickungen haben. An der ersten und zweiten Verdickung werden Blätter stehen, an der dritten und vierten die Fruchtansätze, an der fünften und allen folgenden wieder Blätter. Im kommenden Winter fallen die Blätter ab und das nackte Holz bleibt stehen. Zurecht gestutzt kann daraus wieder so eine gebogene Rute werden wie sie hier am Anfang beschrieben ist. Alles beginnt von vorne.

In diesem Juni werden wir aber erst einmal überschüssige Triebe „ausbrechen“. Heute hat der Stock nämlich noch alle möglichen Augen und Knospen, die wir auf keinen Fall alle brauchen und wollen. So eine Art Sicherheitsreserve, siehe Frost, Hagel und Verrieselung.

Mit diesen Vorhersagen und Hoffnungen lassen wir also Nr. 7 und seine 110 Brüderchen und Schwesterchen auf sich alleine „und uns‘ren lieben Nachbarn auch“ gestellt zurück und verabschieden uns.

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4. April 2018 – Ritter der Schwefelrunde

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Jetzt duftet der Hobbywinzer wie ein pubertierendes Mädchen, das sich voller Panik mit schwefelhaltiger Pickel-Creme eingerieben hat. Sagen wir Dermasulf oder Sulfoderm oder was es da alles gibt. Im Weinbau braucht der Nicht-Demeter-Aktivist keine Akne zu fürchten, er ist praktisch ständig in Kontakt mit irgendeiner Art Schwefelverbindung: sei es beim Pflanzenschutz, bei der Reinigung von Geräten oder dem Schutz des fertigen Weines vor frühzeitiger Alterung durch Oxidation in der Flasche.

Heute also Akne-Vorsorge der Kategorie Pflanzenschutz:  zusammen mit reinem Schwefel in einer öligen Emulsion eingebundenes Kupfer(II)-hydroxid wird mit viel Wasser verdünnt und mit einer Spritze fein auf die Augen, die späteren Knospen, und das nackte Rebholz gesprüht. Über die Sinnhaftigkeit dieser Maßnahme hatte ich mich ja schon im vorigen Artikel geäußert, lassen wir es heute bei den Fakten: es genügen für unseren Weingarten im jetzigen Nacktzustand etwa 8 Liter Spritzflüssigkeit und das „kleine Besteck“, also so etwas wie die allseits bekannte Gartenspritze „Gloria 5 Comfort“. Die große schwere Spritze, die man sich auf den Rücken schnallt, wird Gott sei Dank erst später gebraucht, wenn das Mehrfache an Sprühflüssigkeit am dann üppig wuchernden Blattwerk hängen bleiben soll.

Gleichwohl ist diese ganze Spritzerei das was am wenigstens Spaß macht bei der ganzen Sache. Übervorsichtig wird mit Mund-, Nasen-, Augenschutz gearbeitet. Ein altes gelbes Regencape dient seit Jahren als Überhang. Die Gummihandschuhe haben trotzdem wundersamerweise immer wieder Löcher, so ganz kontaktlos geht es also nie. Das Reinigen der Gerätschaft nach Gebrauch ist lästig, zu schweigen von der Frage wohin mit dem Waschwasser. Hier jetzt also bitte 5 Sekunden schweigen: 21, 22, 23, 24, 25. Und schon ist das Wasser weg.

Und wie gesagt: wenn die Pelerine nicht dicht hält, riechen Winzer und Kleidung eine ganze Weile wie nach einer Akne-Kur. Und Fleeceshirts zum Beispiel geben das auch nach mehreren Waschgängen nicht wieder ab. Aber man gewöhnt sich und fühlt sich irgendwann auch wie ein Mitglied des Ordens der Ritter der Schwefelrunde.

Nebenher berichtet hat ein uns bekannter Dorfbewohner erfreulicherweise angeboten, den Weingarten zu hacken, sonst wäre der Boden so geblieben wie er ist. Leider musste er feststellen, dass da nichts mehr zu hacken ist, jetzt gräbt er um. Er wird 2-3 Tage brauchen.

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2. April 2018 – Fuchsbremse sticht Saftstau

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Die letzten Reihen sind gebogen und gebunden, fehlende Drähte eingezogen. Wenn das Wetter so sonnig und trocken wie heute bleibt, wird bald noch eine Runde Schwefel und Kupfer auf Triebe und Knospen gesprüht, dann ist hier erst einmal Schicht bis Juni.

Gleich mal aufgemerkt: Schwefel und Kupfer sind voll „bio“! Schwefel vergrellt die Blattgallmilben, die in den Knospen überwintern und reduziert damit später ein wenig die von diesen unsichtbaren Tierchen verursachten Blattschäden („Pocken“). „Ein wenig“ deutet an, dass das Prinzip Hoffnung Teil des Pflanzenschutzes ist. Und Kupfer um diese Zeit einzusetzen, droht auch nur ein wenig und wenig wirksam dem Echten und Falschen Mehltau über eine unbestimmte kalendarische Distanz hinweg, muss diesem aber später nicht einmal tatsächlich wehtun. Solange nämlich überhaupt noch keine Mehltau-Sporen unterwegs und Blätter an den Pflanzen sind, an denen sie sich festsetzen können, ist die Kupferspritzung mehr eine psychologische Maßnahme für den Winzer.

Zum Biegen und Binden sei noch erwähnt, dass wir die so genannten „Bogreben“ nicht mehr wirklich rund und über den „Biegedraht“ nach unten biegen und binden, sondern auf einem höheren Draht flach verlaufen lassen. Das ist eigentlich nicht ganz fachmännisch und Pfusch. Denn wir verzichten auf einen gewissen Effekt mit dem legendären Namen „Saftstau“. Aus der Wurzel gelangen die Nährstoffe durch feine Kapillaren in die Knospen und später in die Blätter und Trauben. Leider hat dabei die am Ende der Bogrebe sitzende und am weitesten vom Stamm entferne Knospe einen strategischen Vorteil, sie bekommt am meisten Nahrung ab. Der Saft aus den Wurzeln rauscht hingegen an den davor gelegenen Knospen im Sauseschritt vorbei und lässt sie weniger gut versorgt zurück als die Mutter aller Knospen am Ende der Nahrungskette. Wenn man nun die Rebe am Anfang biegt und die Flüssigkeitsleitungen etwas quetscht und verengt, läuft der Saft insgesamt langsamer und die zum Stock gelegenen Knospen können besser einen Schluck davon abhaben als ohne den „Saftstau“.

Soweit die Theorie, jetzt die Praxis: wenn wir vorschriftsmäßig nach unten biegen hängen später die reifen Trauben auf einer Höhe, auf der sich Fuchs und Dachs noch nicht einmal auf die Hinterbeine stellen müssen, um uns die Ernte wegzufressen. Daher haben wir entschieden darauf zu verzichten und etwas höher zu gehen. Jetzt müssen Grimbart und der Reineke sich schon etwas mehr anstrengen, wenn sie bei uns im Herbst klauen wollen. Und daran denkt man dann auch schon mal am 2. April.

Merke, lerne und staune: es werden nicht nur zwischen 11:42:42 und 11:42:52 Uhr des gleichen Tages – innerhalb von Sekunden – Effekte und Gewinne erzielt. Vieles braucht Zeit und Geduld. Weinbau ist gelebte Entschleunigung.

Wie viele gute Gründe es aber für unsere Saftstau-Abstinenz gibt zeigen zwei innerhalb von 48 Stunden nach Verfassen dieser Notizen in der Nacht entstandene Fotos. Der Fressfeind schickt seine Später: Fuchs erst einmal nur auf dem Vorbeimarsch, der Dachs hingegen betrachtet wie zur Verhöhnung unserer Maßnahmen schon einmal unseren Rebenaufbau auf der rechten Seite des Fotos und rechnet sich aus wo später die Trauben hängen werden.

Fuchs, 4. April 2018, 22:14 Uhr

Dachs, 5. April 2018, 0:18 Uhr

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28. März 2018 – Schneiden, biegen, binden, wundern

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Höchste Zeit für den Pflanzenschnitt. Das Holz vom letzten Jahr, an dem die Trauben des Jahrgangs 2017 hingen, muss stark zurückgeschnitten werden, um Platz zu schaffen für neue Triebe, an denen der 2018-er hängen wird.

Wie immer in etlichen Fällen kleinere Probleme mit dem Pflanzenaufbau. Nicht immer ist sofort klar, was weggeschnitten werden sollte oder besser stehen bleibt. Es rächen sich die Fehler und falschen Entscheidungen der Vorjahre. Ein Weinstock vergisst nicht.

Nach dem Schnitt müssen die losen Hölzer aus den Drähten gezogen werden. Die sind aber oft hirschgeweihartig verzweigt und dazu noch vom Vorjahr stellenweise an den Drähten festgebunden. Klein schneiden zwischen den Drähten ist lästig, losbinden ist lästig. Aus den Drähten reißen ist lästig, außerdem könnten die Ruten, die stehen bleiben, beschädigt werden. Schön ist wenn die Sonne scheint und mit innerer Ruhe gearbeitet wird. Von Stock zu Stock denken. Die ersten schwärmenden Insekten summen lassen.

Und heute sind sie zum ersten Mal da, Wildbienen und andere Winzlinge, die sich an den Vergissmeinnicht, Veilchen oder Gänseblümchen treffen.

Höchste Zeit also für den Pflanzenschnitt. Denn danach muss noch gebogen und gebunden werden. Und wenn dann schon die Knospen der Weinstöcke beginnen anzuschwellen oder gar aufzugehen, könnten sie dabei beschädigt werden. Also jetzt schnell noch biegen und binden. Wir sind mindestens 2 Wochen zu spät mit dieser Arbeit.

Vorher noch die Reihen von den Unmengen des abgeschnittenen Altholzes befreien. Große Bündel von verzweigten Altrieben unter beiden Armen, die soweit herab hängen, dass sie die Beine beim Gehen zwischen engen Reihen blockieren. Der Nachbarshund läuft mit und schaut zu wie der Haufen, der später verbrannt werden soll, wächst und wächst. So viel Altholz an nur 110 Weinstöcken! Und dabei ist das nur das, was vom Vorjahr nach mehreren Grünschnitten übrig geblieben ist.

Heute noch die Hälfte der insgesamt acht Reihen gebogen und gebunden, der Rest dann in den kommenden Tagen. Wie machen das Winzer mit 60 Hektar Rebfläche? Natürlich mit ausreichend Personal. Aber an der Handarbeit am Weinstock ändert das nichts, an den bislang angefallenen Arbeiten gibt es nichts zu mechanisieren.

Provozierend gesagt: bei einem deutschen Facharbeiterstundenlohn von nur 30 Euro und angenommen heute 8 eingebrachten Arbeitsstunden, hätten wir – ohne überhaupt für den Moment fertig zu sein – etwa 240 Euro Arbeitskosten verursacht. Wenn wir es in diesem Jahr nur auf 100 Flaschen Wein brächten, würde der also heute schon 2,40 Euro die Flasche kosten.

Und die Austriebsspritzung steht noch aus und natürlich die im weiteren Jahresverlauf – bei uns nur – 3 bis 4 weiteren Arbeitseinsätze im Weingarten, bevor überhaupt die eigentliche Weinherstellung und der Ausbau im Keller beginnen. Natürlich kann und darf man das alles so nicht rechnen, aber wie dann? Weinbau und –herstellung sind eben ein großes Mysterium, in jeder Hinsicht.

Darüber dass noch ein paar Drähte gerissen sind und ersetzt werden müssen, und die anderen neu gespannt, soll hier nur noch kurz geschwiegen werden. Und auch vom Unkraut hacken.

Ganz am Ende des Tages dann wird eine Flasche vom 2014-er aufgemacht. Der Edelknabe unter unseren Jahrgängen, ein Schön-, Vornehm- und ein wenig auch Wichtigtuer, will nichts mit der restlichen, jahrgangsweise auch recht struppigen Verwandtschaft zu tun haben. Unter welcher Sternenkonstellation der erzeugt wurde weiß der Himmel, wir nicht. Aber wir wissen wer die Reben, an denen er gewachsen ist, im Winter 2012/2013 geschnitten und gebogen hat. Und das ist dann das Ende aller Beschwerden und Rechnereien. Für heute.

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