Die Wälder erden

Sonntag, 11. Dezember, 16.30 Uhr (Eröffnung)
Kunstraum Bahnhof Frankfurt-Mainkur, An der Mainkur, 60386 Frankfurt
(Hanauer Landstr./Stadtgrenze)

Claas trifft Köhler III
DIE WÄLDER ERDEN

“Vor genau 10 Jahren trafen sich die Künstler Bernd Claas und Richard Köhler
zum ersten Mal im bei Marc Augustin im Kunstraum Bahnhof Mainkur.
Vorgestellt werden aktuelle + zeit-nahe Texte, Bilder sowie neue Mützen.
Eingebettet in den möglichst heiteren abendlichen Advent-Spätnachmittag sind Auftritte der Gäste DAS MÄNNLEIN, ein bezaubernden Magier der Darstellungskunst, sowie die Musikanten SCHOYFLER und RAINER MICHEL”

Ausstellung bis 21. Januar 2012
Montag bis Samstag 18-22 Uhr
Straßenbahn 11

http://www.galerie-zement.de/
http://etoile-frankfurt.de

Zwei öffentliche Vorlesungsreihen

Nach 4 Wochen in Ungarn zurück in Frankfurt stoße ich auf gleich zwei interessante Vorlesungsreihen . Die eine an der Fachhochschule, die andere an der Uni, beide öffentlich und an interessierte Bürgerinnen und Bürger gerichtet.

MUSIK STADT FRANKFURT ist die Hauptvorlesungsreihe der Frankfurter Bürger-Universität im Wintersemester 2011/2012 in Kooperation mit dem Institut für Musikwissenschaft und der Frankfurter Hochschule für Musik und Darstellende Kunst.

Sie läuft ab heute (18.10.) immer dienstags um 19.30 bis 7. Februar auf dem Campus Westwend.

50 JAHRE MIGRATION – 50 JAHRE MUSLIME IN DEUTSCHLAND ist ebenfalls eine öffentliche Vorlesungsreihe mit dem Untertitel “Psychotherapie und Islam”. An vier Freitagen gibt es ab 28.10. jeweils um 19.30 Uhr an der Fachhochschule am Nibelungenplatz Vorträge zu transgenerationale Folgen der “Gastarbeiter”-Migration, der Biografie des Propheten Mohammed im Kontext der Zeitgeschichte und weiteren Themen.

Vino tinto, aber rojo por favor

Die Rubrik “Kulinarisches” kommt hier seit langem eindeutig zu kurz. Das liegt vielleicht auch ein bisschen daran, dass es in dieser Stadt relativ viele gute bis sehr gute Etablissements gibt, über die ich aber mit der Begründung “teuer kann jeder” nicht berichten möchte. Zu deutsch: wenn am molekularküchenfreien Standort von Mario Lohninger in der Schweizer Straße ein nicht allzu großes Wiener Schnitzel mit nicht allzu viel Kartoffelsalat 26 Euro kostet und zuzüglich möglicher Vor- und Nachspeisen, Getränke und des Trinkgelds auch vorzüglich mundet, dann ist das keine Nachricht, sondern eine Selbstverständlichkeit. Dann doch lieber trotz eines Oberkellners, der dem Gästemustern nach meist auf Porschefahrer wartet, für 13,90 zu einem exorbitanten Schweineschnitzel mit Bratkartoffeln in die etwas zu schicke neue Gerbermühle. Das Gerbermühl-Schwein schlug das Lohninger-Kalb bei unserem letzten Besuch um etliche Rüssellängen und macht die Gerbermühle praktisch zur Schnitzelpilgerstätte. Auch das sonstige Essen ist mehr als passabel, es ist richtig gut. Wenn man draußen unter den Bäumen sitzt, ist der overkill in Richtung business/lounge/Szene, der sich in den Innenräumen austobt, erträglich.

Ansonsten ist mit den Worten Größenwahn, Kleinmarkthalle, Gewürzhaus Alsbach und allenfalls noch Frischeparadies (Edelfische), Venos, Scheck-In und Terra Nova fast schon wieder alles gesagt zu Einkaufen und Essen gehen in Frankfurt. OK, OK, das ist jetzt etwas verkürzt, aber wir wollen die Story ja “schnell machen”, wie abgezockte Journalisten zu sagen pflegen ….

Und dermaßen in Fahrt gekommen halten wir mit quietschenden Bremsen endlich auch vor ”Poalva. Getränke und Lebensmittel Im- und Export Gmbh” in der Ahornstr. 73 in Griesheim (im Hof). Dort in einem unpretentiösen Lagerkeller hängen Serano-Schinken verschiedener Reifestadien und gibt es Regale mit Käsen, Sherry-Essig, frischen Chorizos für den Grill, Anchovis, Öliven und Öl und allerlei anderen spanischen Leckereien. Vor allem aber reihenweise Paletten mit spanischen Weinen in 12er-Kartons aus allen möglichen Anbaugebieten: Rioja, Navarra, Galizien, Katalonien und und und. Rot, rosada und weiß. Man spricht klischeegerecht lispeliges Deutsch und sucht freundlich und geduldig in der Preisliste des Hauses nach den Preisen für eine Einzelflasche, meist zwischen 2,50 und 4,50 Euro netto. Herr Algans und Herr Varella verkaufen gerne aber auch ganze Kästen und komplette Schiffsladungen. Im- und Export eben. Einzelne Weine sind natürlich auch teurer, aber eine erstaunliche Anzahl bewegt sich in der genannten Preiskategorie. Wir haben eine solide Auswahl zu Hause verkostet: keine Ausfälle, alles rundum feine Getränke, frisch und fruchtig, für jede Präferenz etwas dabei.

Poalva GmbH
Ahornstr.73
65933 Frankfurt am Main
Öffnungszeiten über Tel. 069-39047453 erfragen
http://www.poalva.de/

Anstandshalber dann aber auch noch die URLs zu den anderen angetexteten Adressen in der Reihenfolge ihres Auftretens

Die Politik hat vollkommen den Überblick verloren

Durch eine Korrespondenz über Weinfragen – unter besonderer Berücksichtigung der Frostschäden im Mai 2011 - wurde ich gestern auf ithaka – Journal für Terroirwein, Biodiversität und Klimafarming aufmerksam gemacht. Auf der Randspalte der Homepage fand sich ein Artikel, der meine momentane Befindlichkeit sehr gut zum Ausdruck bringt. Ich zitiere den Eingangsabsatz und empfehle die Lektüre des gesamten Textes auch für Nichtwinzer:

Die Politik hat vollkommen den Überblick über den Zusammenhang der sozialen, ökologischen, wirtschaftlichen und kulturellen Entwicklungen verloren. Sie zieht ihr Selbstvertrauen und ihre Selbstüberschätzung allein aus der Tatsache, dass die Wirtschaft sich in den letzten 50 Jahren unaufhaltsam in spiralischen Wachstumszyklen immer rasanter weiterentwickelt. Dass die Politik dieser Epoche das Ruder völlig aus der Hand verloren hat und sich keinerlei Gestaltungsspielraum mehr für die soziokulturelle und ökologische Lenkung der Gesellschaft zugesteht, ist nicht nur ein Armutszeugnis für die Politik, sondern für die Gesellschaft insgesamt.

Dem habe ich (heute) nichts hinzuzufügen.

Schoyfler: “Ackermann hat mir’n Haus geschenkt”

Was für’n Hammer!

Hat doch der Schoyfler alias Andreas The August (alias Narciso Andrés alias Andreas von Gunten alias wer weiß nicht wer) einen Song geschrieben, der das Potential zum Partyhit beim gemütlichen Teil des Betriebsfestes der Deutschen Bank hat.

Aber noch hat ihn die Belegschaft nicht zu Ohr bekommen, kann ihn ergo nicht mitgrölen. Die Chancen stehen eher schlecht, dass es noch so kommt. Aber ich will alles dafür tun, dass google das  youtube-Video vielleicht einmal als Top-Suchergebnis für “Ackermann” bringt und sorge auf diesem Wege für Verbreitung.

(Schlagwörter: Ackermann – Ackermann – Ackermann – Ackermann – Ackermann – Ackermann – Ackermann – Ackermann – Ackermann – Ackermann – Ackermann – Ackermann – Ackermann – Ackermann – Ackermann – Ackermann – Ackermann – Ackermann. Puh, das sollte reichen).

Hier folgt jetzt für die deutschen Bänker zum Üben erst mal der auf dem Amateurfilm eher schlecht zu verstehende Text und dann der versprochene Link zu einer Trio-Fassung und auch noch zu einer Band-Fassung des Stücks auf Youtube.

Strophe:
Wen treff ich neulich bei meinem Therapeut`?
Aus dem Fernsehn kenn ich den Mann.
Ich frag ihn gleich, “Hallo, ja wie gehts uns heut?”,
obwohl, das geht mich ja gar nichts an.
“Ziemlich schlecht”, er hat so ne blöde Depression,
er weiß nicht was er noch mit seinem Geld machen soll.
Ich gleich: “hoppla”, bezüglich seines Monatslohns,
da hätt ich ‘ne Prima Idee, sag ich verständnisvoll.
An´n gutes Werk sollt’ er doch mal denken,
er wirft nervös n’paar Erdnüsse ein.
Ich poker hoch, er könnt mir’n Häuschen schenken,
und ´n Scheck an Greenpeace sollt auch noch drin sein.
Hab ihn prompt an seinem sozialen Tag erwischt,
er hat ja in seiner Brust kein Herz aus Beton.
Hat er erst mal die Spendierhosen angezogen
lässt er sich nicht lumpen mit der Maggiboullion.
Refrain:
Ackermann hat mir’n Haus geschenkt
obwohl er mich eigentlich gar nicht kennt.
Nix Kleines, nein, ´s kost´’ne Million,
das bezahlt er mit einem Monatslohn.
Chor:*)
Was erzählt er wieder für einen Quatsch?
Wenn die Kuh scheisst, macht es platsch!
Er hat nicht mehr alle Tassen im Schrank.
Armer Raimund, wie bist Du krank.
Strophe
Er kriegt dreizehn Millionen im Jahr,
das durch zwölf ist, was in die Tüte kommt an jedem Monatsend’.
Eine Milliondreiundachtzigtausenddreihundertdreiundreißig Euro
und noch dreiunddreißig Cent.
Refrain/Chor*):
Ackermann … /Was erzählt er …..
*) Der “Chor” erklingt nur auf der Trio-Fassung. Der Ich-Erzähler ist in diesem Fall ein gewisser Raimund. Raimund ist eine Hauptfigur aus einer Oper, die Herr Schoyfler derzeit komponiert, der “Ackermann”-Song also eine Nummer aus dieser Oper. So- ist damit zu rechnen, dass irgendwann auch eine dritte und orchestrierte Fassung des Stücks vorliegt.

So. Hast Du geguckt (Bild), hast Du gelesen (Text)? Dann guckstu deutscher Bänker weiter und singst mit:

Neues Jahresprogramm der Bürgerhäuser Dreieich

Kaum sind die Burgfestspiele Dreieichenhain im Sommer 2011 über die Bühne gegangen, legen die umtriebigen und engagierten Macher der “Bürgerhäuser Dreieich” gleich mal das neue Programm bis knapp Mitte 2012 vor.

Gerne wiederhole ich, dass man Dreieich bei Google maps, earth und streetview “südlich von Frankfurt unweit von Neu-Isenburg” findet und sich die Reise für manches Angebot durchaus lohnt. Vielleicht lassen sich ja auch Ausflüge drum herum basteln.

Natürlich kommen hier auch immer mal wieder zeitnähere Hinweise auf Einzelveranstaltungen, aber ich wollte für den Moment nicht versäumt haben, Euch auf verschiedenste Abos hinzuweisen (Schauspiel, Comedy, Musik, Kinder, Bunte Reihe etc.). Die laufen teils schon im Spätsommer an.

Das Jahresprogramm 2012 gibt es natürlich hier zum Download.
Alles Weitere dann auf http://buergerhaeuser-dreieich.de/.

Zum Artikel “Erlöst Gustav Mahler aus linker Vereinnahmung!” (Zeit online 18.5.2011)

“Der Komponist der ’68er” – so ziemlich das letzte Attribut, das ich Mahler anhängen würde. Als junger Erwachsener und auf dem Weg zum Musiklehrer habe ich die Zeit erlebt und fand was “klassische Musik” (Anführungszeichen voll absichtlich) angeht gerade meine linksintellektuellen Zeitgenossen eher bildungsfern und wenig artikulationsfähig. Normalerweise haben die lieber “Doors” gehört (“When the music’s over turn off the light”) und Orchestermusik, zumal mit Gesang verbunden, kaum an sich herangelassen. Wenn dann würde ich es eher so sehen, als dass sie nicht “Mahler” sondern “Tod in Venedig” gehört haben und das Phänomen Mahler und die 68er auf den Kontext des Visconti-Films und die Handlung der Mann-Novelle begrenzen. Die meisten dürften wohl beim berüchtigten Adagio unter dem Kopfhörer die Augen geschlossen und naiv-bildlich Gondeln vor sich vorbeiziehen gesehen haben, als dass sie eine Bestätitgung ihres (wie die Autorin vermutet) zerrissenen Weltbildes erfahren haben und sich existentiell erschüttern liessen. Man hat aber nicht bekennend und suchend das Gesamtoeuvre rauf und runter gehört und durchgesprochen. Sicher gab es da eine Faszination, aber die erschien mir schon damals ziemlich irrational und kaum erklärbar. Man hat sich vielleicht auch einfach in Konsumhaltug unreflektiert eine Stimmung, eine Attitüde “hineingegezogen” wie heute noch Leute mit Che-Guevara-T-Shirts rumlaufen und weder im vollen Umfang für eine Politik a la Kuba noch gegen sie sind. So was heisst “Mode”. Kommt, geht und gut ist. Muss man aber keine Staatsaffäre draus machen.

Ansonsten denke ich, dass Rezeptionsgeschichte – selbst wenn es dann so gewesen wäre wie dieser Artikel es suggeriert – ein Problem sein kann, aber kein grundsätzliches Hindernis für den Zugang zu einem Werk für nachfolgende Generationen. Der Appell “Erlöst Gustav Mahler aus linker Vereinnahmung” ist eigentlich nur peinlich. Er suggeriert, dass jemand Mahler irgendwann gekidnapt, damit anderen vorenthalten hat und besetzt hält. Nun muss er befreit werden. Wenn noch wenigstens gesagt würde von wem und für wen. Für die schwarz-gelbe (noch) Mehrheitsgesellschaft? Für die Generation Facebook? Für eine verstörte Generation Praktikum, die zugegeben anders als viele 68er keine etablierten Beschäftigungsverhältniss mehr finden werden? Wenn dabei der befreite Mahler hilft, gebe ich dem Artikel doch noch meine Absolution.

Das ganze Grundkonstrukt des Artikels ist ansonsten doch ziemlicher Humbug. Im Falle Kunst und Musik allgemein und in diesem Falle im Besonderen (s.o.). Niemand hindert niemand an einen einem neuen eigenen, selbst gewählten Zugang zu Mahler. Das heldenhafte Verlangen nach dem Wegräumen gar nicht vorhandener Hindernisse und Trümmer der 68er-Generation hat eventuell mit Mahler gar nicht so viel zu tun. Der dient nur als Tapete, auf der man das derzeit so angesagte 68er bashing aufwalzen kann. Für einen Hauptartikel zu “100 Jahre Mahler” ist das arg dünn. Und man hätte über vieles nachdenken, gerne auch streiten können aus Anlass dieses Jubiläums. Vor allem über Mahler, aber nicht über das Thema “Komponist der ’68er”. Chance vertan, Thema verfehlt. Schade.

Hier der Link zum Artikel: http://www.zeit.de/kultur/musik/2011-05/100-jahre-gustav-mahler