Frankfurter Rundschau, 3. Mai 2025
Lesenwertes Interview:
https://www.fr.de/politik/martyna-linartas-ich-sehe-das-grunderbe-als-eine-wunderwaffe-93711500.html
Frankfurt
https://www.fr.de/politik/martyna-linartas-ich-sehe-das-grunderbe-als-eine-wunderwaffe-93711500.html

Erich Buchwald-Zinnwald (1884-1972): ohne Titel („Blick ins Erzgebirge mit Geising und Milleschauer“), undatiert, Öl auf Leinwand.

Caspar David Friedrich (1774-1840): „Böhmische Landschaft mit dem Milleschauer“ 1806, Öl auf Leinwand.
Wie schrieb ich in einer launigen Anekdote, anno 2020? „Heute soll die etwas abgedroschene Redewendung ‚Zufälle gibt’s, die gibt’s gar nicht‘ rehabilitiert werden. Denn – wer hätte das gedacht? – es gibt Zufälle, die es gar nicht gibt.“
Auf einem mir zufällig in einem völlig anderen Zusammenhang untergekommenen und zu dieser Zeit bereits mehrere Jahre alten Foto war ein Farbholzschnitt von Carl Thiemann im Schaufenster einer Freiburger Buchbinderei zu sehen gewesen. Das Geschäft existierte noch, ich habe es angeschrieben und nach kurzem Hin und Her war der irgendwo in den Freiburger Schränken tatsächlich noch vorhandene Druck in meinen Besitz übergegangen.
Wer mag, kann die ganze Geschichte gerne unter Sammlerschoten: Carl Theodor Thiemann, „Abend vor Venedig“ nachlesen.
Aber eigentlich ist das kalter Kaffee gegen das was jetzt kommt: die Geschichte wiederholt sich um eine Nuance aufregender. Einziger Unterschied: das Happy End entfällt, ein sehr begehrter Farbholzschnitt bleibt wo er ist. Leider.
Und das geschah: Im März 2025 taucht auf einem Internetauktionsportal der Farbholzschnitt „Rauhreif (Erzgebirge)“ von Carl Thiemann aus dem Jahr 1913 auf. Ich gewinne die Auktion und fahre kurz entschlossen mit dem Auto zur persönlichen Abholung an einen Ort in der weiteren Frankfurter Umgebung. Dort wird von Nachfahren der Hausstand der Eltern aufgelöst, darunter recht viel Grafik, die ich bei meinem Besuch freundlicherweise durchsehen darf. Dabei taucht überraschend der Thiemann-Holzschnitt „Segelboote“ von 1910 auf. Wir einigen uns und so ziehen der „Rauhreif“ als auch die „Segelboote“ um nach Frankfurt, zusammen übrigens mit dem „Alten Rathaus Leizig“ von Curt Mücke.
Zuhause angekommen tritt mich das größte Pferd, das mir bislang jemals begegnet ist. Beim fotografischen Dokumentieren der Käufe fällt mir im Sonnenlicht bei bestimmter Einstrahlung auf der Rückseite einer Pappe, auf der der „Rauhreif“ montiert war, ein schwaches, im Schatten kaum wahrzunehmendes Muster auf:
Der Groschen fällt überraschend schnell und schlägt schwer auf. Schon schreibe ich diese E-Mail:
„….haben Sie bzw. früher Ihre Eltern irgendwann einmal einen weiteren Carl Thiemann-Farbholzschnitt verkauft?????
Wenn nicht, lohnt es sich eventuell noch einmal den Stapel von heute früh oder auch andere ungesichtete Bestände durchzusehen.
Es gibt nämlich etwas total Verrücktes: auf der Rückseite des Kartons zu dem großen Winter-Bild, das ich von Ihnen gekauft habe, gibt es zweifelsfrei den durch Licht erzeugten schwachen Schattenabdruck eines weiteren Thiemann-Druckes, Größe der Darstellung 39,5 x 49,5 cm. Titel „Grunewald-See“. Fahndungsfoto anbei, ebenfalls den Schattenriss. Wenn dieser Thiemann bei Ihnen auftaucht, bitte laut rufen! Ich gehe sicher davon aus, dass er mit dem Winterbild sehr lange (Jahrzehnte) gelagert oder gehängt war bzw. mit der dort verwendeten Pappe. Dass der Lichtabdruck schon Anfang des 20. Jahrhunderts beim Kunsthändler entstanden ist mag ich nicht glauben, so was dauert bis man es auf dem Papier sieht.“
Die Antwort kommt bald:
Kurze Pause. Ungeduldiges Zwischenspiel:
Wieder kurze Pause. Dann:
Müder Versuch des sich Fügens in das offenbar Unvermeidbare:
Zwischenspiel in anderer Sache, und doch:
Letzte Szene und Vorhang zu:
Und so fahret alle Hoffnung dahin. Wenigstens bis es mal wieder heißt: „Heute soll die etwas abgedroschene Redewendung „Zufälle gibt’s, die gibt’s gar nicht“………
Das Ende der närrischen Saison 2024/25 bringt eine neuen Rollentypus des deutschen Bürgers hervor: den notorischen Falschschunkler. Immer häufiger, auf allen Sitzungen.
Gedanken zu einer versäumten Veranstaltung „Der Fernbahntunnel in der Kritik“ (Evangelische Akademie auf dem Römerberg, 14.11.2024):
So einen Tunnel brauchen wir hier nicht, er ist in vielerlei Hinsicht ein falsches Signal.
Um es mal so zu sagen: Die sprichwörtlichen „Grenzen des Wachstums“ sind für mich keine Grenze, sondern eine Tor, das sich weit öffnet. Man könnte sogar den Kassandrarufern „Deindustrialisierung“ einen Weg aufzeigen in Richtung Weltmarkführerschaft in ressourcenschonender Optimierung von Bestehendem und wohlstandserhaltendem Rückbau von Beton, wenn sie ihn denn sehen und gehen wollten. Warum kann es kein Ziel sein, z.B. eine Verbindung nach München 10 Minuten langsamer zu machen, um damit soziale, ökologische und wer weiß was noch für andere Ziele zu erreichen (Entschleunigung, das Leben lebenswert machen…???). Die Vorstellung, dass hier Milliarden in ein Loch versenkt werden, weil man hofft, dass mit um lächerliche 2 Minuten verkürzten Fahrzeiten Leute von der Autobahn gelockt werden können und für solche hirnlosen Konzepte Politiker Meriten und Vorstände Boni einstreichen möchten, macht mich fassungslos. Warum keine Boni für die Durchsetzung eines Tempolimits auf Autobahnen, für die Sicherung des 29(!)-Euro-Tickets?
Leider ist die aktuelle politische Lage im Lande wenig geeignet, Hoffnung aufkommen zu lassen, dass das anders laufen wird. Die einzigen, die wenigstens zaghaft in diese Richtung denken und etwas versuchen, sind die Grünen. Derzeit die Prügelknaben der Nation und Überbringer der schlechten Nachricht, dass es so nicht weiter geht, was aber bekanntermaßen keiner hören will. Die Botschaft allein wird mit einem erwartbar hohen Abschlag auf das Wahlergebnis bestraft. Für den Frankfurter Tunnel ist also nichts Gutes zu erwarten, da die klassischen Betonbauerparteien SPD, FDP, CDU samt angegliederter Gewerkschafts- und Unternehmerverbände offenbar bereits geschlossen dahinter stehen. Wenigstens bleibt die Hoffnung, dass durch die üblichen Vorlaufzeiten für Planungen und Entscheidungen der Baulärm nicht gleich morgen losbricht.
Allerdings dürfte eine andere örtliche Baustelle oder damit zusammenhängende Entscheidungen und Konflikte bereits kurzfristig für Aufregung sorgen: die Verlängerung oder nicht der U-Bahn-Linie 4 durch Grüneburgpark, Palmengarten und/oder Unicampus. Da müssten Tunnel her, Beton hin und Bäume weg. Wie hält man’s dann da? Nächster Aufreger, Einschläge aber etwas näher als beim Fernbahntunnel.
Der Franzose ist schon ein echter Genießer. Sogar das Klopapier im Hotel ist hauchdünn, wahrlich „gefühlsecht“ in der Anwendung.