Biebergemünd-Kassel (Hinterland), den 27. Oktober 2012

Frankfurt

Es gibt ein Leben nach Frau Wolf. Nur die Speisekarte ist neu und die Abtrennung zum ehemaligen Raucherseparéé ist weg. Sonst nix umgebaut, nix überstrichen. Wahrscheinlich ist alles mit desinfizierendem Klarlack überzogen und gäste- und genehmigungsbehördensicher mumifiziert. Allerdings fehlt auf dem Klo der Kleiderständer, dafür gibt es eine Neuerung:

PS: Herr und Frau Wolf waren als Gäste anwesend.
Mucsi/Ungarn, 27. September 2012: Nach 10 Tagen auf der Maische endlich den neuen Jahrgang abgepresst und in ein niegelnagelschickes kleines Barrique-Fass abgefüllt.
Ausgangswerte: um die 110 Grad Oechsle bzw. 20-21 Grad KNM.
Endwerte: Farbe, Farbe, Farbe, Kirsch, Kirsch, Kirsch.
Man ist stolz. Jetzt noch 1 Jahr warten …..
2012
UMFELD MORITZ VON SCHWIND/LUDWIG RICHTER
ohne Titel („Bauer grüßt vorbeireitenden Ritter“)
Tuschezeichnung, ca. 16 x 18 cm
Zuschreibung von Schwind nach Angabe des Auktionshauses sowie folgender Einträge auf der Rückenpappe der (alten?) Rahmung:
„H.O. Miethke, Bécs (ungarisch für Wien) 1902“.
Hinweise und Kommentare auf zu und Kontext freundlichst erbeten.
(Diese Grafik steht für einen Tausch oder Verkauf zur Verfügung, bitte kontaktieren Sie mich gerne bei Interesse).
Mehr als Jauch und Sarrazin im TV verdattert mich die überraschende Empfehlung meiner mehr als geschätzten und überaus heilkräftigen Krankengymnastin vom letzten Freitag, ich solle doch mal die „Junge Freiheit“ lesen. Das sei die einzige Zeitung, in der noch was Vernünftiges drin stünde….. Wie ich damit umgehe, weiß ich noch nicht. Andere Krankengymnastin?
Aber es schwant mir, dass auch vollständig ohne Jauch und Sarazzin gewisse Thesen und Denkweisen sehr weit in der „Mehrheits“- und Normalgesellschaft angekommen sind, vor allem bei Jüngeren. Wie man den Leserbriefen des Blattes im www entnehmen kann, auch mit den üblichen antisemitischen, antiislamistischen und schwulenfeindlichen Beimischungen. Und vor allem mit erheblichem und unverblümten Hass auf einen so bezeichneten linksliberalen Multikulturalismus. Das zwingend nächste Schimpfwort und Feindbild sind dann die (Alt)“achtundsechziger“, die der Mehrheitsgesellschaft (offenbar ein zentraler Begriff des aktuellen Neonationalismus, vgl. auch Ungarn) ihr „krankes Weltbild“ aufzwängen. Dass dann das Ganze noch mit Antikapitalismuskritik durchsetzt ist und EU-feindlich macht es auch nicht besser.
Die wütende und teils sehr aggressive Rhetorik erinnert mich allerdings auch stark an den Generationenkonflikt der 60er Jahre, der dann in bekannter Weise eskalierte, mit dem Ergebnis des teilweisen gesellschaftlichen Umbaus und Umdenkens, das nun wieder von den Jüngeren vehement verweigert wird. Manchmal glaube ich, dieser Aspekt ist fast wesentlicher als die dusseligen Thesen von Sarazzin und die Frage „wie halte ich es mit den Salafisten“.
Wenn wir da keine guen Antworten finden und genauso rigide und verbarrikadiert wie unsere Eltern reagieren, werden wir auch nicht weiter kommen als die.
23. März 2012Leuten, die partout nicht Boris Rhein wählen wollen, werden jetzt über halbseitige Anzeigen in der FR Motive und Argumente frei Haus geliefert. Da wird mir nur noch schlecht und ich brauch‘ einen dreifachen Feldmannerlunder. Das ist doch einfach pervers. Warum soll ich denn das nächste Mal noch Grün wählen? Da kann ich doch direkt mein Kreuz bei der CDU machen. Übrigens gab es in BW ja namhafte grüne Politiker, die in die CDU gewechselt sind. Herr Klinke, bitte konsequent sein und auf einer öffentlichen gemeinsamen PK mit Boris „Nicht-der-Koch“ Rhein einen Mitgliedsantrag unterschreiben! Möglichst noch vor der OB-Wahl! Nicht so witzig? Geschenkt, aber ein ordentliches „G’schmäckle“ hat es wenigstens, wenn bestens in die real existierenden schwarz-grünen Macht- und Förderstrukturen vernetzte Kulturunternehmer solche Wahlempfehlungen abgeben. Jedem ist der Arsch natürlich näher als die Hose, aber hier droht ein absoluter Reputations- und Glaubwürdigkeitsverlust. Wie blöd kann man eigentlich werden ohne es selbst zu merken, wenn man lange genug in solchen Kreisen verkehrt? Grüne und Klinke auf dem Weg über die Lemmingklippe zum freifallenden Ansehensverlust. Ein Trauerspiel, dass die Grünen bei den nächsten Wahlen teuer bezahlen werden. Wenn sie da nicht schon auf zwei unterschiedliche Listen verteilt kandidieren.
Ganz von tief unten aus dem Bauch noch die Frage: was hätte eigentlich Matthias Beltz gesagt? Aber warum frage ich, mir war ja schon schlecht.
Ich oute mich: Am kommenden Sonntag bekommt Peter Feldmann (SPD) meine Stimme bei der Stichwahl zum Oberbürgermeister. Ein Leben lang habe ich grün gewählt und auch grün gemeint. Aus Mitleid für die Grünen Boris Rhein wählen kommt aber nicht in Frage.
Ein Ziehkind der hessischen CDU a la Koch, Wagner, Bouffier bekommt von mir grundsätzlich keine Stimme. Schwarz-Grün mit Petra Roth: ein Experiment, mit Bauchweh ertragen. Schwarz-Grün mit Boris Rhein: nicht mit mir.
Die Grünen haben das Prinzip Machterwerb und Machterhalt in Frankfurt zu Lasten prinzipienfester Sachpolitik überreizt. Spätestestens das Wegtauchen beim Flughafenausbau war unakzeptabel. Ein SPD-Oberbürgermeister ohne Mehrheit im Stadtparlament muss den Konsens mit allen anderen Parteien suchen. Gut möglich, dass er kaum anders agieren kann als ein schwarz-grüner OB es tun würde. Aber die Beinfreiheit der Grünen wird größer: mit einem von den Grünen mitgetragenen OB Boris Rhein werden sie auf Dauer in die Koalitionsraison einbetoniert, unglaubwürdig und beinahe unwählbar. Davor sollte man sie schützen. Nicht Boris Rhein, sondern Peter Feldmann ist die Chance für die Grünen.
O-Ton Wirtin gestern:
„Ihne is ihrn kittel runnergefalle, derf ichn uffhewe?“
9. Februar 2012Bericht eines Freundes aus dem WEIDA vom 8. Februar 2012:
„Gestern haben wir gefroren, es lief wieder dieser Honnywell-Heizlüfter. Als die Wirtin den dann Richtung Füße des Nachbartischs drehte, haben wir heimlich den Radiator, der im Fenster steht, im Betrieb genommen. Darauf fiel die Sicherung dann ein paar Mal aus, mords Gaudi!
Ob ich meine ganzen Kinder mitgebracht hätte, fragte sie noch, weil die Kollegen so jung waren. Inzwischen sind sie aber ganz schön gealtert.“
11. September 2011Die Rubrik „Kulinarisches“ kommt hier seit langem eindeutig zu kurz. Das liegt vielleicht auch ein bisschen daran, dass es in dieser Stadt relativ viele gute bis sehr gute Etablissements gibt, über die ich aber mit der Begründung „teuer kann jeder“ nicht berichten möchte. Zu deutsch: wenn am molekularküchenfreien Standort von Mario Lohninger in der Schweizer Straße ein nicht allzu großes Wiener Schnitzel mit nicht allzu viel Kartoffelsalat 26 Euro kostet und zuzüglich möglicher Vor- und Nachspeisen, Getränke und des Trinkgelds auch vorzüglich mundet, dann ist das keine Nachricht, sondern eine Selbstverständlichkeit. Dann doch lieber trotz eines Oberkellners, der dem Gästemustern nach meist auf Porschefahrer wartet, für 13,90 zu einem exorbitanten Schweineschnitzel mit Bratkartoffeln in die etwas zu schicke neue Gerbermühle. Das Gerbermühl-Schwein schlug das Lohninger-Kalb bei unserem letzten Besuch um etliche Rüssellängen und macht die Gerbermühle praktisch zur Schnitzelpilgerstätte. Auch das sonstige Essen ist mehr als passabel, es ist richtig gut. Wenn man draußen unter den Bäumen sitzt, ist der overkill in Richtung business/lounge/Szene, der sich in den Innenräumen austobt, erträglich.
Ansonsten ist mit den Worten Größenwahn, Kleinmarkthalle, Gewürzhaus Alsbach und allenfalls noch Frischeparadies (Edelfische), Venos, Scheck-In und Terra Nova fast schon wieder alles gesagt zu Einkaufen und Essen gehen in Frankfurt. OK, OK, das ist jetzt etwas verkürzt, aber wir wollen die Story ja „schnell machen“, wie abgezockte Journalisten zu sagen pflegen ….
Und dermaßen in Fahrt gekommen halten wir mit quietschenden Bremsen endlich auch vor „Poalva. Getränke und Lebensmittel Im- und Export Gmbh“ in der Ahornstr. 73 in Griesheim (im Hof). Dort in einem unpretentiösen Lagerkeller hängen Serano-Schinken verschiedener Reifestadien und gibt es Regale mit Käsen, Sherry-Essig, frischen Chorizos für den Grill, Anchovis, Öliven und Öl und allerlei anderen spanischen Leckereien. Vor allem aber reihenweise Paletten mit spanischen Weinen in 12er-Kartons aus allen möglichen Anbaugebieten: Rioja, Navarra, Galizien, Katalonien und und und. Rot, rosada und weiß. Man spricht klischeegerecht lispeliges Deutsch und sucht freundlich und geduldig in der Preisliste des Hauses nach den Preisen für eine Einzelflasche, meist zwischen 2,50 und 4,50 Euro netto. Herr Algans und Herr Varella verkaufen gerne aber auch ganze Kästen und komplette Schiffsladungen. Im- und Export eben. Einzelne Weine sind natürlich auch teurer, aber eine erstaunliche Anzahl bewegt sich in der genannten Preiskategorie. Wir haben eine solide Auswahl zu Hause verkostet: keine Ausfälle, alles rundum feine Getränke, frisch und fruchtig, für jede Präferenz etwas dabei.
Poalva GmbH
Ahornstr.73
65933 Frankfurt am Main
Öffnungszeiten über Tel. 069-39047453 erfragen
http://www.poalva.de/
Anstandshalber dann aber auch noch die URLs zu den anderen angetexteten Adressen in der Reihenfolge ihres Auftretens