Schnitzel Wiener Art III

Juni 2004

Zusammenfassung Verkostung 3

Gaststätte KLOSTERHOF, Seckbächer Gasse 14, Innenstadt
(neben Künstlerkeller und Schmiere).
Schweineschnitzel mit Pommes: 8,70 Euro (ohne Salat!)
Beilagensalat separat zu 2,90 erhältlich.

Gesamtnote: UNGENÜGEND (6)

Bericht Verkostung 3

Superkneipe, wenn man Durst hat und der Innenhof ist sommers ein Biertischgarten. Aaaber: meiden Sie die Küche, Damen und Herren!

Ich mag es nicht schon wieder sagen, weil es eine Art Betriebsunfall war, d.h. wir waren nicht dort, um Schnitzel zu testen, deswegen hätte ich auch keins bestellen brauchen, aber trotzdem: es war evident, dass dieses Schnitzel in fertig paniertem und tiefgefrorenem Zustand bei Metro oder Eismann oder werweisswo gekauft (Rudis Reste Rampe?), dann bei einer ständig auf- und zugerissenen Gefrierschranktür bei entsprechend nicht optimaler Temperatur (über-!)gelagert, jedenfalls dann unaufgetaut in eine Friteuse geworfen wurde (da isse wieder, jawoll!) und dort bis ganz knapp vor(!) finalem Durchwärmungspunkt verblieben war, sodass man am Ende nicht mehr feststellen konnte, ob der etwas verdächtige Beigeschmack nur vom nicht wirklich ganz durchenen Fleisch kam oder ob es tatsächlich zusätzlich auch noch schon sehr alt war. Punkt.

Fazit: UNGENÜGEND (6), trotz akzeptabler Pommes und 3er netter Bedienungen aus 5 Nationen. Und trotz super naturtrübem Bier. Keine Punkte für angelernte Schnellimbissköche und hirnlose Gastronomen!

Schnitzel Wiener Art II

Februar 2004

Zusammenfassung Verkostung 2

MALEPARTUS, Bornheimer Landwehr:
Schnitzel Wiener Art mit Pommes und gemischtem Salat, 8,80 Euro

Gesamtnote: VOLL AUSREICHEND (4+)

Bericht Verkostung 2

Das Traditionslokal Malepartus war und ist eine gutbürgerliche Lokalität mit solider Küche. Leider haben verschiedene Modernisierungswellen im vergangenen Jahrzehnt des vormals Originelle und Unverwechselbare an der Einrichtung völlig platt gemacht. Man muss es nicht essen wollen, aber es gibt auch kein „Kleinsolber“ mehr, keine heiße Fleischwurst auf Kraut und auch keine täglich wechselnde Speisekarte mit schlachtfrischen Spezialitäten von Kesselfleisch bis wer weiß was und DAZU noch das, was es heute nur noch gibt.

Der zweite Selbstversuch mit „Wiener Schnitzel“ endete allerdings erheblich erfreulicher als der erste im „Historix“. Dem Gericht konnte ein voll ausreichend erteilt werden, wobei sich das „voll“ und das „ausreichend“ darauf bezieht, dass mein bereits durch Gewohnheit und Kantinen eingeschränkter Erwartungshorizont eben in vollem Masse und ausreichend bedient wurde. Es hat geschmeckt, wie es eben muss. Aber nicht wie es kann.

Neben der fehlenden geschmacklichen Raffinesse im Detail, wurde die mangelnde Bereitschaft der Küche zu mehr als pflichtgemäßer handwerklicher Verrichtung daran erkennbar, dass beinahe alle bei dieser Gelegenheit am Tisch servierten warmen Bestandteile von Gerichten aus der Friteuse kamen. Nicht nur Schnitzel und Pommes, sondern auch die Bratwurst vom Teller meiner Gattin. Für Letzteres gibt’s eindeutig die gelbe Karte, Tendenz rot.

Es hat mir aber auch klar gemacht, dass ich das Frittieren eigentlich auch für Schnitzel nicht akzeptiere. Das ist eine Unsitte und ein Indikator für Köche, die sich Mühe oder eben keine geben. Von Pommes aus der Pfanne träume ich dann in meinem nächsten Leben.

So kann denn bei konsequenter Sichtweise auch dem „Malepartus“ kein besseres Urteil als das vergebene „ausreichend“ erteilt werden. Tut mir leid. Wo ein Grundprodukt, Schweineschnitzel von der Stange, für x Euro Einkaufspreis verwandt wird, erwarte ich zwar nicht den Geschmack eines Grundprodukts von y Euro, aber auch auf ein x-beliebiges Schnitzel kann man mit Liebe veredeln. Und genau das erwarte ich.

Schnitzel Wiener Art I

Januar 2004

Wiener Schnitzel I

Kurz bevor ich mich letzthin beinahe von mir selbst unbemerkt damit abgefunden und arrangiert habe, dass auch ein Schweineschnitzel „Wiener Art“ so etwas wie ein Schnitzel sein könnte und dass es so etwas wie ein „richtiges“ Schnitzel, so eins wie früher sowieso nur in meiner kindheitsverklärenden rückwärtsgerichteten Erinnerung gibt und dass man in Frankfurt eben am besten Frankfurter isst, habe ich die Reißleine gezogen. Ich bin doch nicht blöd. Ich habe im letzten halben Jahr mehrfach beispielsweise in Budapest exzellente Wiener Schnitzel („Bécsi szelet“) gegessen. Da geht’s also, warum nicht hier? Frankfurt ist schließlich Partnerstadt von Budapest….

Darauf habe ich beschlossen, nicht länger mehr zu ruhen, bis ich weiß, es gibt ein ordentliches Schnitzel in Frankfurt oder es gibt es eben nicht.

Zusammenfassung Verkostung 1

„HISTORIX“ im Historischen Museum, Frankfurt:
„Schnitzel Wiener Art mit gemischtem Salat“, ca. 8,50 Euro
separate Beilage „Bratkartoffeln“, ca. 2,50
komplett ca. 11 Euro

Gesamtnote: NOCH MANGELHAFT (5-)

Bericht Verkostung 1

An einem Sonntag um den Jahreswechsel herum sollte der Besuch einer Adorno-Ausstellung im Historischen Museum mit einem Schnitzel-Essen beschlossen werden. Was dabei geschah, lässt mich nochmals alle Vorurteile schaurig tief in den Bodensatz der Gastronomie gestippt und durchgesuckelt durchleben: schlimmer geht’s nimmer, jetzt muss es aufwärts gehen (und wenn nicht, werde ich auch darüber schreiben).

Bereits die Suche nach einem mit dem Museum verbindbaren Restaurant geriet zu einer Fahrt ins Blaue: was gibt’s denn in der Innenstadt an einem Sonntagmittag? Das ehemalige „Zum Fröhlichen Schnitzel“ heißt jetzt zum „Römer Pils Brunnen“ (genau so geschrieben) und beim Lesen der Speisekarte vor der Tür wurden wir von einer Gruppe Japaner überrollt. Das „Steinerne Haus“ hatte eine Teilspeisekarte draußen und geschlossen.

Wir sind dann erst mal ins Historische Museum und dann zwangsläufig ins Verderben gegangen: die dem Institut angeschlossene Gaststätte „Historix“ war geöffnet und „irgendwas wird’s da schon geben“. Als dann auf der Speisekarte ein „Schnitzel Wiener Art“ winkte, war ich auch vorderhand zufrieden und dachte „na gut“. Mein Gefühl war kein gutes, aber weil es modern ist, seine Vorurteile zu bekämpfen, konnte ich mich unbesorgt froh babbeln.

Laut Speisekarte sollte das Schnitzel mit „gemischtem Salat“ kommen. Pommes wurden auch als gesonderte Beilage nicht geboten (was durchaus positiv bewertet werden kann), da wir aber irgendwie doch darauf gespitzt hatten, bestellten wir separat zwei mal Bratkartoffeln.

Die Überraschung war groß, als nach durchaus längerer, aber noch akzeptabler Wartezeit das Schnitzel auf einem Teller mit etwas gemischtem Salat und einen größeren Haufen Kartoffelsalat kam. Wir wären’s auch damit zufrieden gewesen und wollten der Bedienung nur andeuten, dass wir ihr das Versehen nicht übel nehmen, als sie auch schon mit den Bratkartoffeln kam, die sie durchaus nicht vergessen hatte. Vergessen hatte sie aber zu sagen, dass der „gemischte Salat“ eine ausreichende Portion Kartoffeln schon beinhaltete, was auf unserer Rechnung mit zusammen 5 Euro für Bratkartoffeln, die wir sonst nicht bestellt hätten, zu Buche schlug.

Aber auch das hätte mich nicht aufgebracht, Hunger hatte ich genug. Was mich aber fassungslos zurückließ war, dass die Komponenten des Essen weder einzeln nach etwas schmeckten, noch in der Zubereitung irgendeine Ambition des Koches (welcher Koch?) erahnen ließen, noch irgendwie wirklich zusammenpassten.

Das begann damit, dass die mit Wasser stark verdünnte Essigessenz, die die ansonsten weitgehend geschmacksfreie Marinade des Kartoffelsalats vorstellte, bereits vom Weg aus der Küche an den Tisch unter die ohnehin nicht sehr knusprige Panade des Schnitzels gekrochen war. Das Fleisch war nicht geklopft, sondern wie es zu Lebzeiten aus dem ganzen Brocken geschnitten worden war, paniert und gebraten worden. O Sancta Gastronomia! Vielleicht ist das jetzt Sitte oder Mode (ich hab das schon öfters erlebt), aber müssen wir jetzt vielleicht auch noch darauf warten, dass Frikadellen nicht mehr durch den Wolf gedreht werden, sondern als ganzes Stückerl Fleisch aus der Keule geschnitzt werden? Beim Vollformschnitzel führt das zu zäher Konsistenz, auch kann – so vorhanden! – Würze wie Salz und/oder Butter(schmalz) nicht in das Fleisch eindringen und man kaut auf aschgrauen geschmacksfreien Fasern dahin. Die Panade löste sich allzu gerne von dieser Unterlage und war auf der Rückseite typisch mehlschmierig.

Der „gemischte Salat“ bestand außer den unerwarteten Kartoffeln aus ein paar Schnitzen roher Möhren und Chinakohl und/oder Eisbergsalat, was dem ganzen Teller zu einem gespenstigen bleichtraurigen Aussehen verhalf. Die Marinade zu diesem Teil des Trauerspiels kaum aus Tube oder Dose und war rosa, so etwas wie „Thousand Islands“ für Arme. Selbst die obligatorische Zitronenscheibe konnte da nichts mehr retten.

Krönung waren die „Bratkartoffeln“, eine gemeinsame separate Portion für zwei zu immerhin 5 Euro: speckig-ölig glänzend, weichwarm, keine Kruste, kein Geschmack, dafür in einer Öllache residierend.

Die Gesamtnote „noch mangelhaft“ rettete dem Gericht und der Lokalität ein „ausreichend“ für die Bedienung und ein „befriedigend“ für das Ambiente, denn eigentlich könnte das eine sehr nette Kneipe sein.