{"id":16659,"date":"2004-09-01T20:59:23","date_gmt":"2004-09-01T18:59:23","guid":{"rendered":"https:\/\/www.wolfgang-barina.de\/bdh\/?p=16659"},"modified":"2024-10-16T21:07:04","modified_gmt":"2024-10-16T19:07:04","slug":"yves-le-bleu","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.wolfgang-barina.de\/bdh\/?p=16659","title":{"rendered":"Yves le Bleu"},"content":{"rendered":"<h4><strong><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignright size-full wp-image-16660\" src=\"https:\/\/www.wolfgang-barina.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2024\/10\/yves.jpg\" alt=\"\" width=\"250\" height=\"252\" srcset=\"https:\/\/www.wolfgang-barina.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2024\/10\/yves.jpg 250w, https:\/\/www.wolfgang-barina.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2024\/10\/yves-150x150.jpg 150w, https:\/\/www.wolfgang-barina.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2024\/10\/yves-100x100.jpg 100w, https:\/\/www.wolfgang-barina.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2024\/10\/yves-40x40.jpg 40w\" sizes=\"(max-width: 250px) 100vw, 250px\" \/>1. September 2004<\/strong><\/h4>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Unter gro\u00dfer Anteilnahme unterschiedlichster Art und Tiefe sowie unterschiedlichster Kreise wurde vergangene Woche die polymedial, aber vor allem mit gro\u00dfen blauen Fl\u00e4chen beworbene Yves Klein-Ausstellung in der Schirn er\u00f6ffnet.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Wenn wirklich jemand Grund hat, mit netten Nachbarskeletten im Grab eine Freudenfeier zu veranstalten, dann nun er, unser jetzt neufrankfurter Yves. Denn was hat er da schlie\u00dflich angerichtet in seinem kurzen Leben, welches bereits Anfang der 60er endete, mit seinen blauen Bildern, von denen dann \u00fcbrigens die wenigsten in der Ausstellung blau sind?<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">September 2004, Fronkf\u00fcr s\u00fcr M\u00e4h: bussi-bussi, das Museumsorchester spielt in voller Montur und mit echten Instrumenten, flankiert von einem mittelst\u00e4ndischen-betriebsstarken gemischten Chor und einem mit Taktstock ausger\u00fcsteten und international renommierten Operndirektor \u201e8 Minuten Stille\u201c als 2. Satz einer \u201eSinfonie monoton\u201c, was f\u00fcr sich eine gelungene Komposition ist, aber erst a) durch den Kontrast zu einem als 1. Satz dargebotenen, 12 Minuten langen gespielten und gesungenen D-Dur-Akkord und eben b) durch den Rahmen und den Raum und die Anwesenheit einer eine Stille zu h\u00f6ren bereiten und dazu auch gerne die Mobilfone abschaltenden Menschenansammlung erst voll wirkt. Dass dazu der frz. Botschafter erschienen ist \u2013 bussi bussi \u2013 der Vorstandsvorsitzende der Deutschen Bank, Herr Breuer-Peanut \u2013 bussi bussi \u2013 die deutschst\u00e4mmige Klein-Witwe samt Erben \u2013 pr\u00f6sterchen, st\u00f6ckel-st\u00f6ckel \u2013 Frau Roth, leider, war nicht abk\u00f6mmlich, schade, welche Rolle h\u00e4tte sie von unserm Yves in diesem Panoptikum zugewiesen bekommen? \u2013 Kulturdezernenten, TV-bekannte Gesundheitsexperten, allesamt Leute, die sonst nicht 8 Minuten schweigen k\u00f6nnen und wollen. Dass all dies so und nicht anders geschah ist das eigentliche, ein echtes Opus Klein, post hum eben.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Und wie er beispielsweise die Menschen in schwarze Klamotten gezwungen hat, damit sie die monochrome Farbigkeit seiner Bilder nicht st\u00f6ren, das macht ihm so schnell k(l)einer nach. Wahrscheinlich hat er auch die einzige Person unter etwa 400 bestellt, die sich in einem modisch leuchtenden orangen Pullover unter die schwarze Menge und vor die blauen Bilder gemogelt hat.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Leider kann man nun gerade diesen wesentlichen Teil der Ausstellung, das Drumrum, die Er\u00f6ffnung, nicht mit auf die zweite Station nach Bilbao nehmen und vielleicht ist die Ausstellung in Frankfurt mit dieser Er\u00f6ffnung im Klein\u2019schen Sinne im Grunde bereits wieder beendet, die Exponate hat er nur in die Ausstellungsr\u00e4ume h\u00e4ngen lassen als dinglichen Teil eines Kunstwerks \u201eEr\u00f6ffnung einer Klein-Ausstellung 2004\u201c. Perfekt.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Ein wenig anders ausgedr\u00fcckt: ein Kunstwerk ist etwas immaterielles, das im Spannungsfeld zwischen einem sinnlich wahrnehmbaren Gegenstand, der Person seines Erzeugers und einem Publikum entsteht. Die faszinierendsten Werke entstehen nach dieser Sicht, wenn diese drei Komponenten perfekt zusammen wirken oder aber eben, wenn im Gegenteil einer dieser drei Teile willentlich, vor allem aber provokant ausgeblendet wird. Herr Klein beherrschst das gleich zweifach und dazu noch in mehrfach sich wiederspiegelnder Hinsicht: er hat zu Lebzeiten schon Ausstellungen ohne Exponate gemacht und in Frankfurt schafft er es, anwesend zu sein gerade durch seine Abwesenheit.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Die Begleitausstellung zu diesem Gesamtkunstwerk namens Yves Klein in der Frankfurter Schirn ist von erheblichem kunstgeschichtlichem Interesse. Sie liefert bedeutende Zeitdokumente in Form von Kunstobjekten zum Verst\u00e4ndnis und zur Veranschaulichung einer Reihe von Entwicklungen und Sichtweisen der Kunst der Mitte des 20. Jahrhunderts in Europa.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>1. 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