{"id":16528,"date":"2004-12-30T16:59:04","date_gmt":"2004-12-30T14:59:04","guid":{"rendered":"https:\/\/www.wolfgang-barina.de\/bdh\/?p=16528"},"modified":"2024-10-16T17:17:30","modified_gmt":"2024-10-16T15:17:30","slug":"tsunami","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.wolfgang-barina.de\/bdh\/?p=16528","title":{"rendered":"Tsunami"},"content":{"rendered":"<h4><strong><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignright size-full wp-image-16529\" src=\"https:\/\/www.wolfgang-barina.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2024\/10\/tsunami.jpg\" alt=\"\" width=\"250\" height=\"333\" srcset=\"https:\/\/www.wolfgang-barina.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2024\/10\/tsunami.jpg 250w, https:\/\/www.wolfgang-barina.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2024\/10\/tsunami-225x300.jpg 225w\" sizes=\"(max-width: 250px) 100vw, 250px\" \/>30. Dezember 2004<\/strong><\/h4>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Leider sind die Ereignisse in der gro\u00dfen weiten Welt in diesem Jahr besonders wenig geeignet, irgendwelche illusionistischen Zukunftsphantasien zu entwerfen. Frieden, Gl\u00fcck, Gesundheit zu w\u00fcnschen, droht zur Floskel zu verkommen, angesichts einer immer unfa\u00dfbarer werdenden Flutkatastrophe in Asien, davor Irak und die zweite Amtszeit Bush und was da immer sonst noch im letzten Jahr war und auf uns zuzukommen droht. Zu schweigen von Hartz IV und den kleineren und gr\u00f6\u00dferen n\u00e4heren Malaisen als den &#8211; relativ &#8211; kleineren \u00dcbeln.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">\u201eInnehalten\u201c zum Jahresende, zur\u00fcck- und nach vorne schauen, scheint mir in diesem Jahr besonders schwierig, aber auch notwendig. Nat\u00fcrlich geht erst mal \u201eLebbe weider\u201c. Muss. Aber: man muss schon auch Routinen durchbrechen oder umgekehrt Dinge, die man sonst routinem\u00e4\u00dfig nicht tut, symbolisch doch tun, um nicht vor sich selbst das Gef\u00fchl zu haben, man sei machtlos und stumpfe ab. Ich werde in diesem Jahr f\u00fcr die Opfer der Flutkatastrophe spenden; f\u00fcr den Gegenwert des Feuerwerkes, das ich auch sonst nicht gez\u00fcndet h\u00e4tte.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Kunst und Kultur? Was z\u00e4hlt das angesichts von Krieg und Katastrophen? F\u00fcr mich viel, vielleicht gerade deswegen und trotzdem. Ich vertraue in die Eigenschaft der Kultur, der K\u00fcnste, Dinge lebbar und ertragbar zu machen, die sonst schwieriger zu bew\u00e4ltigen w\u00e4ren (dies ist auch eine meiner verschiedenen Definitionen des Begriffs Kultur oder was ich daf\u00fcr halte).<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Kunst, K\u00fcnstler, Kultur im weitesten Sinne haben immer unter solchen und \u00e4hnlichen Verh\u00e4ltnissen \u2013 auch noch deutlich schlechteren \u2013 bestanden, vielleicht sind sie diesen urs\u00e4chlich entsprungen als rituelle Bew\u00e4ltigung einer traumatischen \u00e4u\u00dferen Bedrohung &#8211; Gewalt, Katastrophen, Hunger, Einsamkeit \u2013 und haben dieser zusammen mit Religion (wenn man das an dieser Stelle \u00fcberhaupt unterscheiden will) einen nicht mehr hinterfragbaren \u201eh\u00f6heren\u201c Sinn verliehen: \u201eNicht vom Brot allein&#8230;\u201c<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Was dieser Mechanismus hergibt? Alles, was die Situation zul\u00e4sst oder Menschen in der Lage sind, daraus zu machen: von situativen, strikt reaktiven, autobiografisch gefangenen \u00c4u\u00dferungen bis zu autarken, transzendierenden, raum-, situations- und zeit\u00fcberschreitenden, normativen \u00e4sthetischen und ethischen Hervorbringungen. Der \u00dcbergang \u2013 ohne jede Wertdeutung! &#8211; ist flie\u00dfend: von Ringelnatz und K\u00e4stner bis Beethoven und Goethe.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Gute und schlechte, g\u00fcnstige und weniger g\u00fcnstige Zeiten f\u00fcr Kultur und Kulturschaffende? Kaum. 1648 bringt Heinrich Sch\u00fctz seine Sammlung \u201eGeistliche Chormusik\u201c zum Druck, noch bevor der 30-j\u00e4hrige Krieg zu Ende war, die p\u00e4dagogisch-kompositorische, einem Verm\u00e4chtnis gleichende Quintessenz eines auf dem geistigen H\u00f6hepunkt angelangten Genius. Wie konnte ein solch verdichtetes, in der Aussage kompaktes und ungebrochenes, von den Einfl\u00fcssen der Umgebung scheinbar (!?) v\u00f6llig unber\u00fchrtes Werk in den Wirren und Gr\u00e4ueln des 30-j\u00e4hrigen Krieges gedacht und zu Ende gebracht werden? Keine Ahnung, aber es funktioniert und das tr\u00f6stet mich.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Ich will es so zusammenfassen: den Lauf der Welt empfinde ich als ersch\u00fctternd und angsteinfl\u00f6\u00dfend, aber nicht als hoffnungslos oder perspektivenlos. Allem, was mir dabei hilft, was Wege und Auswege aufzeigt, verleihe ich das Adelspr\u00e4dikat \u201eKultur\u201c.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Es scheint dabei eine menschliche Regung zu sein, dass den kleinen Gesten, den \u201eWundern des Alltags\u201c in schwierigen Zeiten eine besonders Bedeutung zukommt. Eine als vermisst gemeldete, unersetzliche alte wertvolle Geige ist wieder aufgetaucht ist. Sie wurde v\u00f6llig unerwartet beim Fundb\u00fcro abgegeben! Es gab ein Freudenfest.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>30. Dezember 2004 Leider sind die Ereignisse in der gro\u00dfen weiten Welt in diesem Jahr besonders wenig geeignet, irgendwelche illusionistischen Zukunftsphantasien zu entwerfen. 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