{"id":529,"date":"2019-09-21T18:37:45","date_gmt":"2019-09-21T16:37:45","guid":{"rendered":"http:\/\/www.wolfgang-barina.de\/wein2018\/?p=529"},"modified":"2019-09-21T19:05:01","modified_gmt":"2019-09-21T17:05:01","slug":"16-september-2019-wein-2018-das-labor-hat-gesprochen","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.wolfgang-barina.de\/wein2018\/2019\/09\/21\/16-september-2019-wein-2018-das-labor-hat-gesprochen\/","title":{"rendered":"16. September 2019 &#8211; Wein 2018: Das Labor hat gesprochen"},"content":{"rendered":"<p><a href=\"http:\/\/www.wolfgang-barina.de\/wein2018\/wp-content\/uploads\/2018\/04\/trauben-e1524373364204.jpg\"><img loading=\"lazy\" class=\"alignleft wp-image-25 size-full\" src=\"http:\/\/www.wolfgang-barina.de\/wein2018\/wp-content\/uploads\/2018\/04\/trauben-e1524373364204.jpg\" alt=\"\" width=\"50\" height=\"60\" \/><\/a><\/p>\n<p>Heute wird der 2018-er analysiert. Das macht ja auch jeder Fu\u00dfballtrainer, um die zur\u00fcckliegenden Spiele daraufhin auszuwerten, was man in Zukunft besser machen kann. Beim Wein geht es zus\u00e4tzlich aber auch darum, ihn vor dem Abf\u00fcllen so zu behandeln, dass er in den Flaschen ein paar Jahre vor Alterung gesch\u00fctzt ist. Exakte Analysen kann man ohne aufw\u00e4ndige Technik nicht gut selbst machen. Wir bem\u00fchen also gegen Honorar ein professionelles Labor und das im Hintergrund auf dem Foto abgebildete ungarische, aber gut deutsch sprechende pferdeschw\u00e4nzige Fr\u00e4ulein.<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/www.wolfgang-barina.de\/wein2018\/wp-content\/uploads\/2019\/09\/Analyse-001.jpg\"><img loading=\"lazy\" class=\"alignnone size-full wp-image-530\" src=\"http:\/\/www.wolfgang-barina.de\/wein2018\/wp-content\/uploads\/2019\/09\/Analyse-001.jpg\" alt=\"\" width=\"1000\" height=\"562\" srcset=\"http:\/\/www.wolfgang-barina.de\/wein2018\/wp-content\/uploads\/2019\/09\/Analyse-001.jpg 1000w, http:\/\/www.wolfgang-barina.de\/wein2018\/wp-content\/uploads\/2019\/09\/Analyse-001-300x169.jpg 300w, http:\/\/www.wolfgang-barina.de\/wein2018\/wp-content\/uploads\/2019\/09\/Analyse-001-768x432.jpg 768w\" sizes=\"(max-width: 1000px) 100vw, 1000px\" \/><\/a><\/p>\n<p>Und die spricht zu unseren 2018-er Proben im runden K\u00f6rbchen vorne links das Folgende:<\/p>\n<ul>\n<li>Glasballon (2018-er Wein): 37 mg freie schwefelige S\u00e4ure\/Liter<\/li>\n<li>Fass 2 (2017-er Wein Monarch\/Merlot): 25 mg freie schwefelige S\u00e4ure\/Liter<\/li>\n<li>Fass 4 (2018-er Wein): 29 mg freie schwefelige S\u00e4ure\/Liter<\/li>\n<li>Fass 6 (2018-er Wein): 35 mg freie schwefelige S\u00e4ure\/Liter.<\/li>\n<\/ul>\n<p>Diese wie auch das Foto v\u00f6llig unromantischen Werte brauchen wir, um die erforderliche Menge freier schwefeliger S\u00e4ure zu berechnen, die wir unter Beachtung der gesetzlichen Obergrenzen f\u00fcr Gesundheit und Verkehrsf\u00e4higkeit von 65 mg\/Liter dem Wein vor dem Abf\u00fcllen zusetzen d\u00fcrfen. Neben der Obergrenze f\u00fcr freien Schwefel gibt es noch eine von 150-200 mg\/Liter f\u00fcr die Gesamtmenge der schwefeligen S\u00e4ure zu beachten, die zwar im Laufe der Weinpflege irgendwann in kleinen Dosen zugesetzt wurde, aber von Sauerstoff und anderen Bestandteilen gebunden und nicht mehr wirksam ist. Der niedrigere Wert gilt f\u00fcr Wein mit weniger als 5 gr\/Liter Restzucker, ist also der unsere. Wir erreichen zwar ohnehin nie die zul\u00e4ssige Obergrenze f\u00fcr den Schwefel, haben aber noch weniger Weine mit mehr als 5 gr Restzucker. Wie bereits fr\u00fcher erw\u00e4hnt, k\u00f6nnen und wollen wir die G\u00e4rung nicht so steuern, dass sie bei einem bestimmten Restzuckerwert anh\u00e4lt. Unser Restzucker ist einfach der, den die Hefen am Ende gn\u00e4digerweise \u00fcbrig lassen. Daher haben wir praktisch immer vollkommen durchgegorene und richtig \u201etrockene\u201c Weine.<\/p>\n<p>Das best\u00e4tigt heute fr\u00fch auch wieder die Dame vom Labor. Wir haben n\u00e4mlich f\u00fcr \u201eFass 6\u201c noch weitere Werte ermitteln lassen, die wir zwar f\u00fcr die Weinbehandlung nicht verwenden, neugierigerweise aber doch wissen wollen:<\/p>\n<ul>\n<li>Gesamte schwefelige S\u00e4ure: 60 mg\/Liter<\/li>\n<li>Freie schwefelige S\u00e4ure: 45 mg\/Liter<\/li>\n<li><strong>Alkohol: 12,45 Vol%<\/strong><\/li>\n<li><strong>Restzucker: 0,4 gr\/Liter<\/strong><\/li>\n<li><strong>S\u00e4ure: 6 g\/Liter<\/strong><\/li>\n<\/ul>\n<p>Man sieht leicht, dass bei den schwefeligen S\u00e4uren noch Luft nach oben ist. Die Obergrenze f\u00fcr den Gesamtwert werden wir jedenfalls in keinem Fall rei\u00dfen, bei der freien m\u00fcssen wir uns entscheiden, was wir in den Flaschen haben wollen.<\/p>\n<p>Die ganze Schwefelfrage ist aber soweit nur ein Thema von uns Weinmachern. Wir wollen ja nicht, dass die Ware im Regal vergammelt. Der Normaltrinker schaut eher gebannt auf die Werte f\u00fcr Alkohol, Zucker und S\u00e4ure, die oft ja auch auf dem Etikett abgedruckt sind. Und sieht, dass wir mit 0,4 gr Restzucker pro Liter eher im Bereich Apfelwein rangieren. Daf\u00fcr sagt uns \u201e12,5 Vol.% Alkohol\u201c, dass wir nur knapp 0,2 Liter davon zu trinken brauchen, um die gleiche Wirkung wie mit gut 0,5 Liter Ebbelwoi zu erzielen. Wir sehen: wenig Zucker, reichlich Alkohol. Es d\u00fcrfte sehr gerne etwas mehr Zucker sein, aber woher nehmen, wenn die Hausmachertechnik nicht mehr hergibt?<\/p>\n<p>Denn da ist ja noch die S\u00e4ure, mit 6 g pro Liter ordentlich hoch. Rieslinge vom Rhein zum Beispiel liegen zwar oft erheblich dar\u00fcber, haben aber zur Abmilderung auch mit Werten von 5,\u00a0 7, \u00a09 und mehr gr\u00a0 pro Liter deutlich h\u00f6heren Restzucker als unser Wein mit seinen mageren 0,4. Allgemein gilt, dass hohe S\u00e4urewerte durch Restzucker ausgeglichen werden sollen, damit der Wein \u201erund\u201c schmeckt. Man kennt das von der Salatsauce. Und es gibt auch so etwas wie ein ideales Dreickecksverh\u00e4ltnis zwischen Alkohol-, S\u00e4ure- und Restzuckergehalt. Ist der eine Wert h\u00f6her oder niedriger, sollten auch die anderen beiden jeweils in eine bestimmte Richtung verschoben sein. Damit der Wein in \u201eBalance und Harmonie\u201c ist.<\/p>\n<p>Dieses Wein-Yin Yang wird aber schnell weltanschaulich und Gott sei Dank von der Realit\u00e4t auch regelm\u00e4\u00dfig au\u00dfer Kraft gesetzt. Wir lieben ja auch Menschen, die nicht direkt vom Titelbild gesprungen sind, das Pummelchen und auch den spannenlangen Hansel. Der ist l\u00e4nger als breit und unsere Weine haben eben viel S\u00e4ure und wenig Zucker. Was soll\u2019s? Sie haben aber Pers\u00f6nlichkeit und Charakter. Da kann auch das Labor nicht dagegen anmessen. Uns schmeckt er und den meisten Freunden und Bekannten, die gekostet haben, auch.<\/p>\n<p>Soweit die Meldungen aus der Analysestation, mit denen wir in raschen Schritten dem gro\u00dfen Finale unseres 2018-er Weins entgegen schreiten. Dieses wird in diesem Weintagebuch in naher Zukunft in drei getrennten Szenen gegeben: der Filtration des Wein, der Abf\u00fcllung in Flaschen und einer gro\u00dfen Zusammenfassung dessen, was von der ersten Notiz im Fr\u00fchjahr 2018 bis zur Einlagerung der Flaschen in den Keller geschehen ist.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Heute wird der 2018-er analysiert. Das macht ja auch jeder Fu\u00dfballtrainer, um die zur\u00fcckliegenden Spiele daraufhin auszuwerten, was man in Zukunft besser machen kann. 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