{"id":558,"date":"2015-06-26T04:20:10","date_gmt":"2015-06-26T04:20:10","guid":{"rendered":"http:\/\/www.wolfgang-barina.de\/drau\/?p=558"},"modified":"2018-05-25T16:16:45","modified_gmt":"2018-05-25T16:16:45","slug":"tag-16-von","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.wolfgang-barina.de\/drau\/?p=558","title":{"rendered":"Tag 16 &#8211; Von Virovitica nach Osijek"},"content":{"rendered":"<p>Freitag, 26. Juni 2015<\/p>\n<p><strong>Der Plan<\/strong><\/p>\n<p>Auf geradem Weg in Richtung Osijek und m\u00f6glichst heute noch dort ankommen.<\/p>\n<p><strong>Wie es war, was geschah<\/strong><\/p>\n<p>Osijek hat Stra\u00dfenbahn. Als ich um 15.55 Uhr am Stadtrand auf eine an der Endhaltestelle wartende Tram treffe und Schienen sehe, kommt nach drei Tagen Fahrt durch verschlafene slawonische Kleinst\u00e4dte und D\u00f6rfer der Wiedereintritt in die Zivilisation unerwartet und \u00fcberraschend. Kurz vor der Innenstadt kann ich durch ein Parkgel\u00e4nde an die Drau fahren, von hier \u00fcber eine Art Promenade , einen Bootshafen und schon bin ich im Zentrum. Dort wird auf einem Platz eine gro\u00dfe B\u00fchne hergerichtet, es gibt St\u00e4nde mit slawonischer Wurst und Gep\u00e4ck, Frauen in Tracht, einen Fiaker. Ein Radio- oder Fernsehteam interviewt mitten unter den Menschen den Chefkoch des Hotel Osijek und ein wenig auch sich gegenseitig. Bei der Suche nach einem Hotel durchfahre ich ein paar sehr sch\u00f6ne Stra\u00dfen. KuK-Jugendstil, wie ich das aus Budapest, Pecs, Kecskem\u00e9t und auch Prag kenne, nur alles etwas niedriger. Die gr\u00f6\u00dfte \u00dcberraschung ist aber der beinahe urbane Flair und wie elegant die Leute herausgeputzt sind. In einer &#8222;American Bar&#8220; gibt es einen Innenhof mit unverputzten W\u00e4nden, W\u00e4sche an Leinen, fensterlose Fenster irgendwo oben. Eine der Rezeptionistinnen im Hotel Drava, in dem ich dann wohne, kennt den Laden &#8211; er ist neu &#8211; und findet ihn furchtbar, wie sie auch gerade das Urbane an Osijek nun gerade gar nicht leiden kann. Sie spricht ein sehr differenziertes amerikanisches Englisch, so dass man einmal wirklich etwas genauer nachfragen und sich verst\u00e4ndigen kann. Sie ist am Wochenende lieber in ihrem Dorf irgendwo auf dem slawonischen Land und \u00fcberhaupt seien die Leute hier heute nur so aufgebretzelt, weil Freitag Abend ist. Ich bin aber einfach spontan von der Stadt eingenommen und vom Flair dieses Abends im Freien und schreibe \u00fcberm\u00fctige SMS an Gott und die Welt wie toll es hier ist. Das Konzert auf der B\u00fchne erlebe ich nicht mehr, v\u00f6llig \u00fcberm\u00fcdet schleiche ich auf mein Zimmer und verschlafe auch das Frauen-Viertelfinle bei laufendem Fernseher gegen Frankreich. Rechtzeitig zum Ausgleichstor und dann wieder zum Elfmeterschie\u00dfen gehen mir die Augen auf.<\/p>\n<p>Gekommen bin ich 124 km \u00fcber die Landstra\u00dfe und dabei beinahe ohne Pause durchgefahren. Nach der Erfahrung bei der Hotelsuche in Virovitica wollte ich unter allen Umst\u00e4nden versuchen, in Osijek anzukommen. Die Hotelportale im www verzeichnen dort Unterk\u00fcnfte ohne Ende, da kann kaum was schief gehen, und so war es dann auch.<\/p>\n<p>Fr\u00fchst\u00fcck gab es am Morgen noch in der gro\u00dfen Wohnk\u00fcche der Familie der Villa Magnolija, eine Riesenwahl Wurst und K\u00e4se, dazu Wei\u00dfbrotstangen, aufgestapelt wie ein Haufen Brennholzscheite im Wald. Mit dem Hausherren schaue ich auf die Karte und beschlie\u00dfe keinerlei Kompromisse an Radwege oder verspielte Nebenstra\u00dfen zu machen.<\/p>\n<p>Auf einen Zettel f\u00fcr die Rahmentasche notierte ich die Durchgangsorte meiner Strecke: Borova &#8211; Suhopolje &#8211; Oresac &#8211; Novaki &#8211; Vaska &#8211; Skopje &#8211; Noskovc &#8211; Cadavica &#8211; Moslavina P. &#8211; Donij Miholjac &#8211; Belisce &#8211; Alpovo &#8211; Osijek. Die ersten 30 km Ort f\u00fcr Ort, sp\u00e4ter nur noch die gr\u00f6\u00dferen Ansiedlungen. Irgendwo bei Moslavina treffe ich ohnehin auf eine mit der Nr. 34 gekennzeichnete gr\u00f6\u00dfere Verbindungsstra\u00dfe, dort gibt es wie erwartet eine Ausschilderung auch \u00fcber gr\u00f6\u00dfere Entfernung und auch Kilometerangaben.<\/p>\n<p>Auf der Nebenstrecke am Anfang habe ich f\u00fcr fast 2 Stunden die bestens ausgebaute Stra\u00dfe f\u00fcr mich alleine. Kilometer vor und hinter mir keine Auto. Der einzige Schrecken der Landstra\u00dfe ist ein alter mongolischer Traktor, der es nur langsam an mir vorbei schafft. Nach Erreichen der Stra\u00dfe \u00a034 wird es voller, aber es bleibt ertr\u00e4glich. Ich stelle mich auf den Verkehr ein und habe stets eine Ausweichm\u00f6glichkeit nach rechts im Auge, f\u00fcr Situationen, in denen ich neben zwei Lastwagen bin, die in Gegenrichtung aneinander vorbeifahren. Erst die letzten etwa 20 Kilometer nach Osijek herein werden richtig unangenehm, da rauscht es nur so um mich her.<br \/>\nDas geht aber schnell vorbei und dann kommt die bereits geschilderte Einfahrt in die Stadt.<\/p>\n<p>Kurz will ich erkl\u00e4ren warum ich mir das antue: am 16. Tag der Reise \u00fcberkommt mich das Gef\u00fchl, dass ich es jetzt z\u00fcgig hinter\u00a0mich bringen will. Noch die Draum\u00fcndung und dann ab nach Mucsi und Schluss. Hier in der Ebene bin ich es pl\u00f6tzlich m\u00fcde, allein zu sein und alleine zu fahren. Ein bisschen Gesellschaft w\u00e4re langsam ganz gut und das nicht nur, um abwechselnd im Windschatten fahren zu k\u00f6nnen. So richtig zieht es mich in den Stall als ich im Norden jenseits der Auw\u00e4lder weit in der Ferne die beiden h\u00f6chsten Erhebungen des Mecsek-Gebirges in Ungarn sehe, den Tettye und den Zeng\u00f6, darunter, noch n\u00e4her an mir, liegt P\u0117cs. Auf dem Tettye kann man sogar den Fernsehturm sehen. Kurz danach noch der unverwechselbare Villanyer Berg, auf dem die Reben f\u00fcr die teuersten ungarischen Rotweine stehen. Etwa 50 km hinter\u00a0jener Kulisse liegt Mucsi und da will ich dann nun auch bald ankommen. Meine jetzige Route\u00a0Route ist diesbez\u00fcglich ein gro\u00dfer Umweg.<\/p>\n<p>Zu dieser Stimmung passend meldet sich zum ersten Mal auf dieser Reise mein K\u00f6rper bei seinem Kopf: &#8222;Wenn Du da oben nicht mehr willst, kannst Du bitte sch\u00f6n mit mir auch nicht mehr rechnen.&#8220; Abends habe ich pl\u00f6tzlich &#8222;Hintern&#8220; und einen Krampf im Oberschenkel.<\/p>\n<p>Zudem sehe ich die Drau seit Donja Dubrava nur noch sehr selten. In den letzten 24 Stunden genau 2 Mal: jeweils abends in Barcs und Osijek, von Br\u00fccken aus. Dazwischen l\u00e4sst sie niemanden mehr an sich ran. Seit Donja Dubrava hat es ein Ende mit dem Stauen und der Regulierung der Flussufer. In den Nationalparks Mur-Drau, Drau-Donau darf sie machen was sie will und bildet endlose M\u00e4ander, Auw\u00e4lder, Nebenarme und sumpfige Schwemml\u00e4nder, die letzten g\u00e4nzlich unber\u00fchrten Flusslandschaften im westlichen Europa. In diesem Streifen Wildnis gibt es aber keine D\u00f6rfer und Stra\u00dfen, nur unbefestigte Stichwege fuhren hinein und die liegen nat\u00fcrlich quer zu meiner Hauptroute und sind Sackgassen. Einen vern\u00fcnftigen Kompromiss gibt es nicht. Wer in diesen Abschnitten die Drau sehen will, muss eigens daf\u00fcr an geeigneten Stellen Quartier nehmen und losziehen. Das passt jetzt einfach nicht in meinen Reiseplan, was mir aber kein Problem ist, da ich von Mucsi aus jederzeit in wenigen Stunden herkommen kann. Wer diese M\u00f6glichkeit nicht hat, sollte Aufenthalte f\u00fcr den Besuch der Auw\u00e4lder einplanen und am besten auch zu Hause mit Literatur vorbereiten. Ich kann mir auch vorstellen, dass es gef\u00fchrte Touren gibt. Spontan und an beliebiger Stelle irgendwo an der Drau loslaufen w\u00fcrde ich nicht unbedingt.<\/p>\n<p>So gesehen ist es ein reiner Arbeitstag auf dem Rad, da muss man jetzt halt durch. Das bedeutet aber nicht, dass ich schlechte Laune h\u00e4tte, man kann auch vergn\u00fcgt arbeiten. Und es gibt immer was zu schmunzeln: bei einer Kaffeepause in Valpovo dr\u00f6ht aus dem Lokal laute Blues-Musik. Ich bin der einzelne Gast und sitze drau\u00dfen. Bei der Bestellung signalisiere ich der Bedienung mit Daumen nach oben, dass ich die Musik super finde. Er freut sich, dass ich das \u00fcberhaupt wahrnehme und mit dem altmodischen Gitarrenkram was anfangen kann. Ich frage &#8222;Eric Clapton?&#8220; und denke an neuere Aufnahmen oder ein Remake, es ist in irgendwie 70er-m\u00e4\u00dfig, klingt aber frischer. Aber es ist original Fleetwood Mac aus dieser Zeit, ein Album, das ich nicht kenne. &#8222;Oh, then the guitar player is Peter Green&#8220;. Jetzt hebt er den Daumen und der Cappucino geht auf seine Rechnung.<\/p>\n<p><strong>Die Zahlen<\/strong><\/p>\n<p>Tageskilometer Rad: 124,3<br \/>\nFahrzeit netto: 6:40 Stunden, wenig Pausen<br \/>\nGesamtkilometer: 1.298,6<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Freitag, 26. Juni 2015 Der Plan Auf geradem Weg in Richtung Osijek und m\u00f6glichst heute noch dort ankommen. Wie es war, was geschah Osijek hat Stra\u00dfenbahn. 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