{"id":532,"date":"2015-06-24T04:27:35","date_gmt":"2015-06-24T04:27:35","guid":{"rendered":"http:\/\/www.wolfgang-barina.de\/drau\/?p=532"},"modified":"2018-05-25T16:38:37","modified_gmt":"2018-05-25T16:38:37","slug":"tag-14-maribor-bis","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.wolfgang-barina.de\/drau\/?p=532","title":{"rendered":"Tag 14 &#8211; Von Maribor nach Donja Dubrava"},"content":{"rendered":"<p>Mittwoch, 24. Juni 2015<\/p>\n<p><b>Der Plan<\/b><\/p>\n<p>Drauabw\u00e4rts, Tagesziel wetterabh\u00e4ngig, die. 1.000-Kilometer Marke knacken<\/p>\n<p><strong>Wie es war, was geschah<\/strong><\/p>\n<p>(Das folgende St\u00fcck ist nicht Korrektur gelesen!)<\/p>\n<p>Maribor gegen 8.45 Uhr bei trockenem Wetter verlassen. Den Abend gestern im Zimmer verbracht. Die Innenstadt, wo ich nacn den Eindr\u00fccken des letzten Besuches reges Kneipenleben erwartet hatte, war ausgestorben. Die wenigen ge\u00f6ffneten Restaurants und Bars sind g\u00e4hnend leer und verbreiten Tristesse. Vor einer Bierbeize steht eine Gruppe kalauernder, rauchender M\u00e4nner, aus der es dr\u00f6hnt: &#8222;I said to him, don&#8217;t arrange me any women!&#8220;. Ein Busfahrer rast einh\u00e4ndig lenkend um eine Kurve und bei\u00dft in die mit der anderen Hand gehaltene Waffel einer Eist\u00fcte. Bei Spar kaufe ich Br\u00f6tchen, Schoko,  Schinken und Rotwein. Das war Maribor.<\/p>\n<p>Auf \u00f6rtlichen Radwegen taste ich mich nach Gef\u00fchl aus der Stadt heraus, finde einen Kurs und treffe bald auf einen Radweg, der bis Ptuj ausgezeichnet ist. Was jetzt klar wird: auf der Bahnfahrt von Vuhred nach Maribor habe ich die Alpen im eigentlichen Sinne verlassen. Die Drau durchflie\u00dft jetzt ein mitunter 20, 30 Kilometer breites Tal, die h\u00f6heren Berge auf der S\u00fcdseite zu meiner Rechten, hinter denen ganz in der Ferne Zagreb liegen m\u00fcsste,  sind manchmal nur noch ganz schemenhaft zu sehen. Die linke Seite des Tals oder jetzt besser der Drauebene bildet eine gr\u00fcne wald-, wiesen- und weinbestandend endlose H\u00fcgelkette, die sich jetzt beinahe bis zur M\u00fcndung in die Donau dort halten wird und n\u00f6rdlich der Grenze in Ungarn fortsetzt. <\/p>\n<p>Die Drau &#8211; oder das, was von ihr \u00fcbrig ist &#8211; schl\u00e4ngelt sich immer an den H\u00fcgeln an der linken Seite des Tals entlang. In ihrem alten Bett gibt sie mit lehmigen Sandb\u00e4nken und wucherndem Ufergr\u00fcn eine idyllische Kulisse f\u00fcr Angler ab, hat aber den Gro\u00dfteil ihres Wassers an einen schnurgerade durch die Ebene gezogenen Kanal abgegeben, der zuerst in Slowenien, sp\u00e4ter in Kroatien jeweils in einen etliche Kilometer langen Stausee \u00fcbergeht. Aber anders als in K\u00e4rnten haben weder Kanal, noch die Stauseen irgendwelche nat\u00fcrlichen Begrenzungen durch Bergh\u00e4nge oder f\u00fcgen sich in eine Tallandschaft ein. Es sind einfach in der spiegelglatten Ebene D\u00e4mme aufgesch\u00fcttet, die mit dem minimalen Gef\u00e4lle immer h\u00f6her werden. Am unteren Ende stehen sie dann wie gef\u00fchlt 20 Meter hohe Badewannen in der Landschaft und speisen wohl meist Kraftwerke. Beim Passieren der Staufstufe vor Donja Dubrava am sp\u00e4ten Abend wird mir bei diesem Gedanken etwas pl\u00fcmerant. Ich bin nicht sicher, ob so etwas bei uns genehmigungsf\u00e4hig w\u00e4re. Fast m\u00f6chte ich die D\u00e4mme einem gewissen sowjetischen Gigantismus unterschieben, wei\u00df aber auch, dass die Regulierung der Fl\u00fcsse in dieser Region &#8211; auch weiter n\u00f6rdlich in Ungarn &#8211; bereits mit der Industrialisierung, der Trockenlegung der malariverseuchten Flussniederungen und der Erschlie\u00dfung von Verkehrswegen und neuem Ackerland begonnen hat. Das kann also alles durchaus auch schon \u00e4lter sein.<\/p>\n<p>Die Fahrt entlang der pittoreken H\u00fcgelkette f\u00fchrt mich nach Ptuj, sp\u00e4ter nach Ormoz. Meist fahre ich unten, die wenigen Schnitte in den Hang buche ich heute erstaunlicherweise unter &#8222;fun cycling&#8220;, sie unterbrechen angenehm die gleichf\u00f6rmige Bewegung. Und ganz neu: wenigstens bis zu einer gewissen Steigung finde ich zunehmend Vergn\u00fcgen auch am Bergauffahren. Im Flachland rechts jede K\u00fcrbisfelder, an der Stra\u00dfe immer wieder H\u00e4user und H\u00f6fe, die eigenes \u00d6l pressen und verkaufen. Alles picobello, gediegen, erinnert mich entfernt an kleine Oliven\u00f6lbetriebe in Istrien. <\/p>\n<p>Kurz vor Ptuj wimmert das Hinterrad wie ein Quietscheentchen. Nachdem es durch Gesundbeten nicht weg geht mal wieder Boxenstop am Wegesrand. Ich muss zwar mal wieder alles abladen, das Rad  auf den Kopf stellen, habe aber Gl\u00fcck. Eine Gummimanschette \u00fcber dem Ende der Achse, von der ich fast denke, dass sie bei der Montage des Reifens h\u00e4tte entfernt werden sollen, reibt sich an der sich drehenden Nabe. Das ist ja nun gar nichts, Gl\u00fcck gehabt. Ich schiebe das Teil ein wenig nach au\u00dfen und schon ist Ruhe. (An dieser Stelle f\u00e4ngt das Tablet pl\u00f6tzlich das Sprechen an und eine Dame liest mir meinen Text vor, beinahe fl\u00fcssig und mit der richtigen Betonung. Sie ist allerdings auch so frech, mir die Tippfehler zu buchstabieren. Ich habe keine Ahnung, welchen Knopf ich versehentlich gedr\u00fcckt habe. Wer kann helfen?)<\/p>\n<p>Ptuj h\u00e4tte ich beinahe \u00fcbersehen oder besser untersch\u00e4tzt. Es geht eine unscheinbare Stra\u00dfe hintunter, vor mir ragt die wenig interessante R\u00fcckseite einer zwar gro\u00dfen, aber nicht umwerfenden Burg auf einem Bergr\u00fccken auf. In die dahinter liegende Stadt fahre ich zun\u00e4chst nicht, der Verkehr wird auf eine triste Umgehung geleitet. Erst am anderen Ende rolle ich zur\u00fcck in eine kleine Fu\u00dfg\u00e4ngerzone und fotografiere das imposante Jugendstilrathaus.<\/p>\n<p>Wenige Kilometer nach der Stadt bekomme ich dann doch noch ein paar Informationen. Meine Frage an einen etwa vierzig Jahre alten Mann nach dem Weg w\u00e4chst sich zu einem drei\u00dfigmin\u00fctigen Gespr\u00e4ch aus. Er spricht perfekt deutsch mit einem hiesigen, wenn auch nicht slowenischen Akzent. Wie ich m\u00fctterlicherseits in Ungarn aus einer &#8222;schw\u00e4bischen&#8220; Familie komme, stammt er hier aus einer &#8222;steierischen&#8220; Familie. Und schon sind wir wieder mitten drin in den Wirren des 20. Jahrhunderts in dieser Region. 1. Weltkrieg, 2. Weltkrieg, kalter Krieg, Wende. In der KuK-Monarchie war das hier die Untersteiermark. Ptuj war Pettau und &#8222;\u00fcber 800 Jahre unter der Krone&#8220;, sagt der Herr, genau wie Marburg, das jetzt Maribor hei\u00dft. Dort gab es 10.000 Deutsche. Ich erkundige mich wo genau die alte Grenze von der alten Untersteiermark zum damaligen K\u00f6nigreich Kroatien-Ungarn lag. Wir streifen die Umverteilungen und Staatenneubildung nach dem ersten und die fr\u00fche jugoslawisch-sowjetische Zeit nach dem zweiten Weltkrieg und wissen, dass wir in ein Wespennest gestochen haben und niemals ein Ende finden werden, wenn wir jetzt nicht einfach aufh\u00f6ren. Daher Handschlag, &#8222;angenehm&#8220;, auf Wiedersehen.<\/p>\n<p>Vom weiteren Weg \u00fcber das verschlafene Ormoz bis zur Grenze ist wenig zu erz\u00e4hlen, es geht flach wie am Morgen weiter, nach Ptuj fahre ich ein paar Kilometer auf dem dem Damm eines Stausee, danach wieder in der Ebene. Die kroatische Grenze \u00fcberrascht mich. Vor mir nur ein Zettel mit Ortsnamen, die ich durchfahren will, abgelesen von einer Karte, auf der die Grenzde sehr undeutlich markiert ist. Ausweiskontrolle, dann normal auf der Stra\u00dfe weiter. Bald ein erstes Schild mit Fahrradsymbol und Zielangabe &#8222;Donja Dubrava 54 km&#8220;. Wie praktisch, das passt, genau meine Richtung. Wie sich im Laufe des Tages herausstellt, bedeutet das nicht unbedingt, dass es \u00fcber einen Radweg geht, aber ich aber werde auf wenig befahrenen, mal mehr oder weniger guten Nebenstra\u00dfen zu weiter entfernten Zielen geleitet, ohne allzu oft die Karte auseinander falten zu m\u00fcssen.<\/p>\n<p>Mit \u00dcberschreiten der Grenze, das wird bald immer deutlicher, bin ich wieder in einer anderen Welt. Nicht nur, dass jetzt gar keine Berge oder H\u00fcgel mehr zu sehen sind. Es ist ist  hier nichts mehr picobello paletti. Slowenien war in gewisser Weise noch EU-Komfortzone. Jetzt bin ich in Slawonien, dem \u00e4rmlichen Norden Kroatiens. Sch\u00e4bige D\u00f6rfer, unverputzte H\u00e4user, Schweinest\u00e4lle. Weniger \u00d6lk\u00fcrbisse, mehr Kartoffel, Mais und vor allem Kraut. Irgendwo wurde frisch geschnitten, ein Geruch von geknicktem welken Kohl weht \u00fcber die Stra\u00dfe.<\/p>\n<p>Die letzten 2 Stunden rolle ich &#8211; nach \u00fcber 100 km! &#8211; mit erstaunlich hoher konstanter Geschwindigkeit durch das brettflache Land. Das Ziel ist jetzt klar mit Donja Dubrava, der N\u00e4he des Zusammenflusses  von Drau und Mur, zumal es auch vorher keine Unterkunft mehr geben wird. Irgendwann unterwegs f\u00e4llt eher beil\u00e4ufig die 1.000 km-Marke auf dieser Reise. In Prelog versorge ich mich mit Kuna in bar, am ersten Automaten, der mir seit der Grenze unterkommt.<br \/>\nEine Stunde sp\u00e4ter in Donja Dubrava.  Der Ort trotz dieses spektakul\u00e4ren Namens so uninterressant, dass es fast schon wiedwr interrsant wird. Ebenso das Hotel Golf, das  vielleicht auch eine Geschichte wert w\u00e4re, wie \u00fcberhaupt vieles auf dieser Reise, das nur angeschnitten oder \u00fcberhaupt ganz ausgelassen wurde,.<\/p>\n<p>Aber morgen geht es gleich weiter. Wie genau wissen vielleicht die Krautbauern, ich wei\u00df es nicht. Auf markierte Radwege kann ich kaum mehr hoffen, klare Linien bieten nur die gro\u00dfen \u00dcberlandstra\u00dfen, die ich wenn es geht meiden will. Sonst sieht die Landkarte rund um die sich schl\u00e4ngelnde Drau aus wie ein unsortierter Haufen mal dicke, mal d\u00fcnne Spaghetti.<\/p>\n<p>Hier sind alle meine bisherigen Vorbereitungen zu Ende.<\/p>\n<p><strong>Die Zahlen<\/strong><\/p>\n<p>Tageskilometer Rad: 137<br \/>\nGesamtkilometer Rad bis heute: 1.054,5<\/p>\n<p>Fahrzeit Rad heute: um die 8 Stunden, zzgl. Pausen<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Mittwoch, 24. Juni 2015 Der Plan Drauabw\u00e4rts, Tagesziel wetterabh\u00e4ngig, die. 1.000-Kilometer Marke knacken Wie es war, was geschah (Das folgende St\u00fcck ist nicht Korrektur gelesen!) Maribor gegen 8.45 Uhr bei trockenem Wetter verlassen. Den Abend gestern im Zimmer verbracht. 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