{"id":478,"date":"2015-06-22T05:25:19","date_gmt":"2015-06-22T05:25:19","guid":{"rendered":"http:\/\/www.wolfgang-barina.de\/drau\/?p=478"},"modified":"2018-05-25T16:38:55","modified_gmt":"2018-05-25T16:38:55","slug":"tag-12-bleiburg-bis","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.wolfgang-barina.de\/drau\/?p=478","title":{"rendered":"Tag 12 &#8211; Von Bleiburg nach Vuhred"},"content":{"rendered":"<p>Montag, 22. Juni 2015<\/p>\n<p><strong>Der Plan<\/strong><\/p>\n<p>\u00dcber die slowenische Grenze, evtl. bis Maribor<\/p>\n<p><strong>Wie es war, was geschah<\/strong><\/p>\n<p>Bleiburg, 9.40 Uhr<\/p>\n<p>Das Fahrrad ist in der Werkstatt, in 30 Minuten geht es weiter. Unabh\u00e4ngig von den Speichenrissen hatte die Felge hinten wohl schon l\u00e4nger Risse und w\u00e4re wohl fr\u00fcher oder sp\u00e4ter sowieso kaputt gegangen, also gibt es ein neues Laufrad. Zufallsbefund.<\/p>\n<p>Zu Bleiburg habe ich gerade gelesen, dass es hier zu Kriegsende ziemlich brutale Massaker gab. Reste der kroatischen und anderer Armeen, die mit Nazis kollaboriert hatten, waren von alliierten Truppen auf der einen Seite und von der jugoslawischen Befreiungsarmee (Tito?) auf der anderen Seite eingeschlossen. Mit den Alliierten wurde verhandelt, die Gefangengesetzen in Lager Richtung Osten zu deportieren. Es kam dann aber sofort zu Massenerschie\u00dfungen, die meisten anderen starben auf anschlie\u00dfenden Todesm\u00e4rschen, Soldaten und Gefangene vieler Nationen. Ich vermute, dass solche und weitere Ereignisse im Hintergrund ganz wesentlich die Geschehnisse im j\u00fcngsten Balkankrieg beeinflusst haben. Die Leute hier haben das im Kopf, wir wissen davon nichts.<\/p>\n<p>Vuhred, 16.45 Uhr<\/p>\n<p>Gegen 12 Uhr diesen Montag zum  Ausruhtag erkl\u00e4rt, keine Pause, aber easy going.<br \/>\nAbfahrt in Bleifurt gegen 10.30 Uhr, genau 3.570 Meter nach Verlassen der Werkstatt ist der Hinterreifen platt. Nach kurzem Nachdenken und Z\u00f6gern ist klar, dass ich selbst ran muss. Zur\u00fcck m\u00fcsste ich schieben, um nicht Gefahr zu laufen die neue Felge zu ruinieren und es ist auch nicht sehr wahrscheinlich, dass die Panne etwas mit dem Reifenaustausch von heute fr\u00fch zu tun hat. Wann in Richtung nach  vorne dis n\u00e4chste Werkstatt kommt ist sowieso unklar. <\/p>\n<p>Ich richte unter der brennenden k\u00e4rntner Sonne meine plein air-Werkstatt ein und streife die Latex-Handschuhe \u00fcber. Das eigentlich L\u00e4stige ist, dass ich alles Gep\u00e4cke herungerschnallen muss und sp\u00e4ter penibel darauf achten, dass nichts aus den Taschen rollt und vergessen wird. Der Rest ist Routine, nur dass ich das Loch im Schlauch bei einer ersten Sichtung sofort finde, als ich aber mit der erhaltenden Behandlung beginnen will und schon Schmirgelpapier, Kleber und Flicken bereit liegen habe, ist das Loch unauffindbar. Jetzt muss transplatiert werden und ich baue den mitgef\u00fchrten Ersatzschlauch ein, was ja eigentlich auch schneller geht, aber ich habe jetzt nur noch perforierten Ersatz. Nach 15 Minuten ist alles vorbei, ich packe neu und pumpe mit der kleinen Notpumpe per Hand den reifen notd\u00fcrftig zum &#8222;halbweiche Gurke&#8220;-Grad auf. Damit ist der n\u00e4chste Boxenstopp vorprogrammiert, ich brauche eine richtige Pumpe und au\u00dferdem vorsichtshalber einen neuen Ersatzschlauch.<\/p>\n<p>Ich schleiche langsam weiter und interpretiere mal wieder ein Hinweisschild falsch, was mich wunderbare Ausblicke genie\u00dfen l\u00e4sst aber auch nochmals eineinhalb Stunden Zeit kostet. Mitten auf der einige hundert Meter langen und ziemlich hohen Jauntal-Eisenbahnbr\u00fccke (&#8222;Fahrradfahren verboten. Fahrrad schieben erlaubt!&#8220;) treffe ich auf dem schwindelerregend gew\u00f6hnungsbed\u00fcrftigen Fu\u00dfg\u00e4ngerstreifen zwei Motorradfahrer, die ihre Maschinen dr\u00fcben abgestellt haben, um mal herunterzuschauen, in Begleitung von \u00d6tzi von den Enduro Senioren Austria (&#8222;D\u00f6s is unsa V\u00f6ein&#8220;). Dr\u00fcben angekommen zeigt der R1 in die Richtung, aus der ich gekommen bin. Es gibt H\u00e4user, eine Station vom Jauntal Bungy, aber alles ist verlassen. Einer der Kradler ruft f\u00fcr mich &#8222;den Peter&#8220; an, der &#8222;k\u00f6nd si hi\u00f6 aus&#8220;, der wei\u00df aber nicht so genau. &#8222;Der G\u00fcnt\u00f6&#8220; geht nichts ran, was nun?<\/p>\n<p>Da will uns ein bayerisches Radfahrpaar mit auf der Lenkradtasche platzierter Karte passieren, ich gr\u00e4tsche rein, bitte um Karteneinsicht und helfe den beiden ungewollt nicht in die Irre zu fahren. Es geht tats\u00e4chlich wieder zur\u00fcck \u00fcber die gruselige Br\u00fccke. Immerhin gibt es spektakul\u00e4re Fotos und die beiden sind froh,  das ich sie angehalten habe. Wir sind auf Kurs, \u00d6tzi und Co. werden mit Dank verabschiedet. Kurze Zeit sp\u00e4ter verabschiede ich mich von den Bayern, sie sind etwas langsamer als ich.<\/p>\n<p>In Lavam\u00fcnd um 13.30 Uhr endlich Luft f\u00fcr die Gurke und ein neuer Schlauch, ich bin wieder auf der Spur und  mit allem N\u00f6tigen versorgt. Auch der Hinterreifen hat sich eingefahren, die Bremse kreischt nicht mehr wie eine Hy\u00e4ne. Jetzt k\u00f6nnte man ein paar Stunden noch etwas rei\u00dfen.<\/p>\n<p>Bald \u00fcberfahre ich die slowenische Grenze und freue mich \u00fcber ein gro\u00dfes blaues Schild mit Fahrradsymbol: &#8222;D-3. Maribor 71 km&#8220;. Nur hat sich jetzt die Landschaft ver\u00e4ndert. Die Drau wird weiterhin gestaut, ist aber sehr schmal geworden, sieht wieder aus wie ein richtiger Fluss und nimmt beinahe die ganze Breite des stark verengten Tals ein. Das m\u00fcssen sich jetzt Haupt- und Nebenstra\u00dfen, die Eisenbahn und auch der Radweg teilen. Der wird jetzt auf die schmalen Erschlie\u00dfungwege der h\u00f6her gelegenen H\u00f6fe und Kleind\u00f6rfer verlagert und schl\u00e4ngelt sich \u00fcber Rampen von bis zu 18% auf und ab durch das Gel\u00e4nde, \u00fcber frostbeuligen Asphalt, \u00fcber Lehm, durch den Wald, \u00fcber Wiesen. Oft befinde ich mich weit \u00fcber dem Fluss mit wunderbaren Ausblicken. Aber ich habe den Radweg nicht mehr exklusiv, die Anwohner fahren nach dem Motto &#8222;hier kommt doch nie einer&#8220; immer auf der Ideallinie. Es ist klar, hier geh es nur langsam und m\u00fchsam vorw\u00e4rts.<\/p>\n<p>Bei &#8222;D-3. Maribor 47 km&#8220; schenke ich um 16.15 Uhr nach kraftzehrenden 52 km der Penzion Markac in Vuhred mein Vertrauen und beschlie\u00dfe  morgen zu sehen wie es weitergeht, minimal nach Maribor. Dort sollten  aber solcherlei Bergfahrten f\u00fcr diese Tour abgeschlossen sein.<\/p>\n<p>Derweil geht es auf 18.30 Uhr, die &#8222;K\u00fccherin&#8220;, die f\u00fcr mich als einzigem Gast f\u00fcr diese Zeit einbestellt ist, sitzt sicher schon im Hubschrauber und wird mir &#8222;Karte&#8220; kochen. Das Bier der Marke &#8222;Union&#8220; l\u00e4uft schon jetzt gut aus der Flasche.<\/p>\n<p>Morgen soll es regnen, schaumermal.<\/p>\n<p><b>Die Zahlen<\/b><\/p>\n<p>Tageskilometer: 52<br \/>\nGesamtkilometer: 917<br \/>\nFahrzeit heute: keine Auskunft<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Montag, 22. Juni 2015 Der Plan \u00dcber die slowenische Grenze, evtl. bis Maribor Wie es war, was geschah Bleiburg, 9.40 Uhr Das Fahrrad ist in der Werkstatt, in 30 Minuten geht es weiter. 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