{"id":396,"date":"2015-06-20T07:11:19","date_gmt":"2015-06-20T07:11:19","guid":{"rendered":"http:\/\/www.wolfgang-barina.de\/drau\/?p=396"},"modified":"2018-05-25T16:40:10","modified_gmt":"2018-05-25T16:40:10","slug":"tag-10-sachsenburg-a-d-drau-bis","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.wolfgang-barina.de\/drau\/?p=396","title":{"rendered":"Tag 10 &#8211; Von Sachsenburg\/Drau nach Villach"},"content":{"rendered":"<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Samstag, 20. Juni 2015<br \/>\n<strong><br \/>\nDer Plan<br \/>\n<\/strong><br \/>\nWeiter Drau abw\u00e4rts, Tagesziel offen<\/p>\n<p><strong><br \/>\nWie es war, was geschah<br \/>\n<\/strong><\/p>\n<p>Abfahrt aus Sachsenburg gegen 10 Uhr, v\u00f6llig \u00fcberm\u00fcdet. Die halbe Nacht und den Morgen seit 5 Uhr damit zugebracht, Berichte und Fotos der letzten beiden Tage aufzuarbeiten. Komme mit der Vielschreiberei, der automatischen Wortvervollst\u00e4ndigung, dem umst\u00e4ndlichen copy &amp; paste, der Bildbearbeitung und \u00fcberhaupt der Tastatur auf dem kleinen Bildschirm nur schlecht zurecht. Immerhin habe ich herausgefunden, dass ich verschiedene Sachen besser mit verschiedenen Tools mache: Texteingabe und -bearbeitung mit der WP-app, Fotoeingabe mit der Desktopversion im Browser. Es k\u00f6nnte fortan also besser laufen.<\/p>\n<p>Sattel besteigen mehrmals hinausgez\u00f6gert, Sitz des Gep\u00e4cks \u00fcberpr\u00fcft, lustlos durch den Ort geschoben. Es ist zwar hell, aber diesig und k\u00fchl, luftiger bis leichter Niesel. Es f\u00fchlt sich wie ein H\u00e4nger an. Aus Trotz dann doch 3 Stunden 15 Minuten mehr oder weniger auf einen Rutsch 59 Kilometer, gesponsert von der Firma R\u00fcckenwind und S\u00f6hne, nach Villach gewuchtet, wenn auch mit kurzen Unterbrechungen.<\/p>\n<p>In Lensdorf erbost mich eine aus Unterf\u00fchrungen und Br\u00fccken gebastelte Laokoon-Schikane und h\u00e4lt meine flaue Stimmung am Leben. Nach gef\u00fchlten 1.000 Metern bin ich 10 Meter vom Beginn der Schleife entfernt, auf der anderen Seite der Bundesstra\u00dfe, wo der Weg dann weiterf\u00fchrt ohne die Stra\u00dfe \u00fcberquert zu haben. Sicherheit, verstehe, aber an so einem Tag braucht das kein Mensch. Geht schei\u00dfen!<\/p>\n<p>In Spittal nehme ich mir vor, allenfalls vom rollenden Ger\u00e4t aus ein paar Belegfotos zu machen und die F\u00fc\u00dfe nicht auf den Boden zu setzen. bei der vergeblichen Suche aber auch irgendwie geeigneten Motiv verliere ich den Radweg und begebe mich \u00fcber Lidl und Co. auf mehrere unfreiwillige Schleifen durch eine grautriste Stadt, die ich gar nicht sehen wollte, verblockte Wohngebiete, ein S\u00e4gewerk, J\u00e4gerz\u00e4une. Wegen dem was ich gesehen habe, h\u00e4tte man Spittal nicht gr\u00fcnden m\u00fcssen, das taugt allenfalls zu einer St\u00e4dtepartnerschaft mit Crailsheim.<\/p>\n<p>Es ist Samstag. Das merke ich nicht nur am vermehrten Verkehr auf dem Radweg, sondern um punkt 1200 auch am Schalldruck des Probealarms, der mich unvorbereitet von der Seite trifft und beinahe vom Deich schiebt.<\/p>\n<p>Dann rollt es pl\u00f6tzlich doch, ich mache Kilometer um Kilometer mit einem beinahe 20er Schnitt, der Niesel wird dichter. Ich freue mich \u00fcber meine fu\u00dflosen Beinlinge, die seit einer Weile mein Lieblingskleidungsst\u00fcck geworden sind und wie eine zweite Haut Beine und Knie w\u00e4rmen. Der Tritt wird nach 20 Kilometern rund und weich, mir schwant warum der Profiradfahrer sich vor dem Rennen stundenlang warmrollt. Mit zunehmendem Regen ziehe ich zuerst die Kapuze der Regenjacke unter den Helm und komme dann auch wieder auf die isarbew\u00e4hrten Gamaschen und \u00dcberhandschuhe zur\u00fcck. Von einer Dame aus einer Gruppe, die ich schon mehrfach \u00fcberholt und wieder vorbei gelassen habe, lasse ich mich beim Halt unter einem Baum in voller Montur f\u00fcr die Nachwelt ablichten.<\/p>\n<p>Apropos Fahrgemeinschaften: Viele Gruppen und Einzelfahrer treffen sich zwar stundenweise einmal h\u00e4ufiger, man plauscht und tauscht sich aus, geht aber keine stabilen Seilschaften ein und ist um seinen eigenen Stiefel bem\u00fcht. Niemand will sich ziehen lassen oder jemand anderen mitnehmen. Die meisten wissen ganz gut was sie k\u00f6nnen und sind nicht zum ersten mal auf Tour. Ausnahme: Kleingruppen von 14- bis 18-j\u00e4hrigen Jungs, die weit nach vorne \u00fcber den Lenker geh\u00e4ngt riesengro\u00dfe G\u00e4nge treten und im Affenzahn den Hang hinauf vorbeiziehen. Die stehen aber meist oben und keuchen gru\u00dflos wenn unsereins vorbeikommt.<\/p>\n<p>Um mir zu Zeit zu verk\u00fcrzen denke ich ein wenig vor mich hin. Anfangs dar\u00fcber wie es die n\u00e4chsten Etappen so weiter geht. Die Tage werden sich teils wiederholen, der Reiz, eine wunderbare Landschaft zu durchfahren, wird schw\u00e4cher. Das \u00fcbergeordnete Ziel, die M\u00fcndung der Drau in die Donau, muss zunehmend als Motivation herhalten, ohne nachzulassen weiterzufahren. Wann genau wird es neue Herausforderungen und Aufgaben geben? Wann endet die wie ein Autopilot wirkende engmaschige F\u00fchrung durch die Radwegbeschilderung? Seit Donauw\u00f6rth fahre ich ohne Karte oder irgendeine morgendliche Vorbereitung auf Routen, die als Fernwanderwege angelegt sind und mir alle 300 Meter sagen wo es lang geht. Sp\u00e4testens im L\u00e4nderdreieck Slowenien, Ungarn, Kroatien muss ich anhand kleinma\u00dfst\u00e4blicher Karten mir selbst einen Weg suchen und von Dorf zu Dorf Entscheidungen treffen.<\/p>\n<p>Und wieder lege ich mir bei laufenden Betrieb ganze Abs\u00e4tze wie den vorigen f\u00fcr den Blog zurecht, die ich jetzt bei der Niederschrift nur noch beinahe wortgleich wieder abrufe. Das kommt meiner Neigung entgegen, direkt aus dem Geschehen heraus zu berichten oder anders gesagt so zu formulieren, als wenn etwas gerade in der Sekunde gesch\u00e4he, in der es gelesen wird. Diese Art des Schreibens bezeichnet der Literaturwissenschaftler als Simultanismus und ordnet sie gerne ungarischen Schriftstellern zu wie Kostolany oder Sz\u0117p (s. &#8222;Die Liebe am Nachmittag&#8220;). Das verbinde ich derzeit nolens volens mit starken Verk\u00fcrzungen und erfinde daf\u00fcr w\u00e4hrend es zu sch\u00fctten beginnt den Begriff Android-Stil &#8211; keinen verdammten Buchstaben mehr als man zwingend auf diesem Screen tippen muss!: &#8222;Gegessen. geschmeckt.&#8220; Alles gesagt, Rest Kontext.<\/p>\n<p>Wo ich schon dabei bin und immer bessere Laune bekomme &#8211; der richtige Bub jammert eben nicht \u00fcber den Regen, sondern f\u00e4hrt mit Wolllust mitten durch die Pf\u00fctzen und Schlamml\u00f6cher! &#8211; lege ich aus jeweils gegebenem Anlass noch ein paar Lehrs\u00e4tze f\u00fcr die Radschulfibel drauf, die ich f\u00fcr die &#8222;Satteltasche&#8220; vorsichtshalber auf mein Smartphone diktiere. Den Lehrsatz &#8222;nasser Lehm&#8220; habe ich sinnigerweise schon parat BEVOR ich an einer besonders seifigen Stelle pl\u00f6tzlich nur noch einen ein Meter breiten absch\u00fcssigen und glatt gem\u00e4hten Grasstreifen entfernt von den t\u00fcrkisfarbenen Fluten der Drau navigiere. Der zweite zum Thema &#8222;hochspritzender Dreck&#8220; kommt mir als der orangerote \u00dcberzug meiner Sachentasche zunehmend den Habitus eines Fliegenpilzes annimmt.<br \/>\nAuch alles andere ist anders als aus dem Ei gepellt, ich beginne mal wieder zu verschlammen.<\/p>\n<p>Da ich in Villach unbedingt eine Pause machen und hei\u00dfe Suppe haben will, mir aber nicht vorstellen kann, mich aus den klammen Klamotten zu sch\u00e4len und anschlie\u00dfend wieder hinein zu werfen, mir urpl\u00f6tzlich eine warme Dusche und ein Fernseh- und Blogschreibnachmittag als Ma\u00df aller Dinge erscheint, breche ich ab und nehme spontan und etwas \u00fcberteuert f\u00fcr 68 \u00dcF Quartier im alteingesessen pl\u00fcschigen Hotel Mosser. Suppe gegessen, jetzt Sonne. Blog geschrieben, jetzt Stadt. Bericht morgen, heute Fu\u00dfball. Fotos, mal sehn.<\/p>\n<p>So ist aus einem brummeligen, vermurrten Tag doch noch ein Schw\u00e4nchen geworden. Und anderen ging es schlechter. In der Stadt endete ein Amateurradrennen. Zwei Mitfahrer stehen zitternd in W\u00e4rmefolien geh\u00fcllt an der Rezeption und jammern \u00fcber das Rennen, das \u00fcber zwei knackige Alpenp\u00e4sse von K\u00e4rnten nach Kranjska Gora in Slowenien und zur\u00fcck ging. Auf dem Wurzenpass hat es gehagelt. Aber wie gesagt: Rennen vorbei, jetzt Sonne.<\/p>\n<p><strong>Die Zahlen<\/strong><\/p>\n<p>Tageskilometer: 59<br \/>\nGesamtkilometer: 753<br \/>\nFahrzeit heute: 3 Stunden 15 Minuten<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>&nbsp; Samstag, 20. Juni 2015 Der Plan Weiter Drau abw\u00e4rts, Tagesziel offen Wie es war, was geschah Abfahrt aus Sachsenburg gegen 10 Uhr, v\u00f6llig \u00fcberm\u00fcdet. 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