{"id":319,"date":"2015-06-19T17:17:44","date_gmt":"2015-06-19T17:17:44","guid":{"rendered":"http:\/\/www.wolfgang-barina.de\/drau\/?p=319"},"modified":"2018-05-25T16:40:24","modified_gmt":"2018-05-25T16:40:24","slug":"tag-9-innichen-bis-sachsenburg-drau","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.wolfgang-barina.de\/drau\/?p=319","title":{"rendered":"Tag 9 &#8211; Von Innichen nach Sachsenburg\/Drau"},"content":{"rendered":"<p>Freitag, 19. Juni 2015<\/p>\n<p><strong>Der Plan<\/strong><\/p>\n<p>Drau abw\u00e4rts solange die Beine tragen<\/p>\n<p><strong>Wie es war, was geschah<\/strong><\/p>\n<p>Ab in Innichen um 9.30 Uhr, nachdem ich noch einen freundlichen Fotoladeninhaber an einem normalen PC-Bildschirm habe \u00fcberpr\u00fcfen lassen, ob meine letzten Fotos OK sind. Gestern ist die Kamera bei einem Selfie vom Fahrradsattel auf den Asphalt geknallt. Entwarnung, alles paletti.<\/p>\n<p>Der durchg\u00e4ngige, luxuri\u00f6s geteerte Radweg folgt der Drau aus Innichen heraus in sanfter Neigung abw\u00e4rts durch eine breite\u00a0wiesenbestandene Hochebene. Der Bach w\u00e4chst immens schnell zum Fluss, unz\u00e4hlige Rinnsale liefern von der Seite Wasser aus den Bergen.<\/p>\n<p>Erst bei Silian und nach etwa 20 Kilometern beginnt der eigentliche Abstieg von der Toblacher H\u00f6he. Der Fluss nimmt Fahrt auf und springt in Kaskaden \u00fcber Felsen ins Tal. Der Radweg folgt stets in Sicht- und H\u00f6rweite und schl\u00e4ngelt sich mit einem Gef\u00e4lle von bis zu 10% durch den k\u00fchlen, schattigen Wald. Da nichts weiter zu tun ist, kommt ein Gef\u00fchl auf wie auf den Schienen einer Sommerrodelbahn zu fahren. Man darf nur beim Zur\u00fccklehnen nicht das Lenken vergessen. Ein Radweg wie f\u00fcr Saarl\u00e4nder: &#8222;Hauptsach\u2018 gut gerollt&#8230;.&#8220;<\/p>\n<p>Gelegenheit, sich Gedanken zu machen und alberne Kalauer in die Welt zu setzen. Zum Beispiel zu dem Thema, wie es zu all den zahlreichen und aufdringlichen Warn-, Hinweis-, Gebots- und Bittschildern entlang der Strecke gekommen ist. &#8222;Bitte die n\u00e4chsten 500 Meter nicht anhalten.&#8220;. Immer wieder\u00a0gibt es mit orangen Oststfriesennerzen ausgestattete\u00a0Vogelscheuchen, die Schilder vor sich halten wie: &#8222;F\u00fcr die besonders Klugen: Wir wollen weder der Hundekot noch die benutzten S\u00e4ckchen in unseren Feldern!&#8220;. Oder: &#8222;Es ist leichter M\u00fcll wieder mitzunehmen als ihn im Wald zu deponieren.&#8220;. Hier muss in der Hauptsaison irre was los sein. Wahrscheinlich rast unter anderem der Italiener als solcher rasant mal\u00a0sowieso den Berg hinunter, telefoniert dabei und isst aus der anderen Hand einen salumierten Panino. Wenn die Semmel zu Ende ist, wirft er oft das i-fonino in die Wiese und versucht, mit dem leeren Butterbrotpapier weiter zu telefonieren. Davor muss man ihn nat\u00fcrlich bewahren. Und daf\u00fcr also all die Schilder. Um das zu verstehen, muss man nat\u00fcrlich erst einmal mit dem Rad von Frankfurt hierhergekommen sein &#8230;.<\/p>\n<p>Derweil bildet die Drau zum ersten Mal ein hochgebirgstypisches Schotterbett. Solche Beobachtungen und Gedanken (s.a. &#8222;Satteltasche&#8220;) treten bei km 40 wieder in den Hintergrund, weil Fluss und \u00a0Radweg Gef\u00e4lle herausnehmen, es auf Lienz zu flacher wird und der Radfahrer die bislang \u00fcberfl\u00fcssigen Beine wieder in Betrieb nimmt.<\/p>\n<p>Lienz bei Kilometer 43, 12.30 Uhr, Cappuccino.<\/p>\n<p>Ach, noch eine Kleinigkeit: von Toblach gelangt man nicht direkt nach K\u00e4rnten, wie ich die ganze Zeit annahm. Lienz liegt vielmehr im Bundesland Tirol und ist Verwaltungssitz\u00a0 es gleichnamigen Bezirks bzw. der Region Osttirol. Peinlich.<\/p>\n<p>Nach Lienz volle 14 km schnurgerade auf einem asphaltierten Damm entlang der begradigten Drau durch das breite, am Grund brettglatte Flusstal. Links und rechts mal n\u00e4her, mal weiter Berge, hier unten gibt es nicht viel zu sehen und Neues zu berichten. Ich formuliere S\u00e4tze f\u00fcr den Blog vor: &#8222;An einer nicht besetzten Angelstelle in die Drau gepinkelt. Das geh\u00f6rt bei einer solchen Tour einfach dazu, da muss man sich nicht so anstellen.&#8220; Leider kommt keine solche Stelle, weswegen die Anf\u00fchrungszeichen und diese Erl\u00e4uterung stehen und die zitierten S\u00e4tze das bisher einzige fiktive Element in diesem Blog bleiben und ich es beim wahrhaftigen Erz\u00e4hlen und Berichten belasse.<\/p>\n<p>Am Ende der langen Geraden treten die Bergw\u00e4nde wie ein Tor wieder n\u00e4her an den Fluss. Nach Durchfahren bin ich in K\u00e4rnten.<\/p>\n<p>14.30 Uhr, km 63, Einkehr in Oberdrauburg, Currywurst, Kartoffelsalat, Plastikbesteck, Cola. Die von Elisabeth W. anempfohlene \u00dcbernachtung in diesem Ort schlage ich aus, es ist noch zu fr\u00fch. Aber ich schreibe das schon in mein Heft bevor die Wurst da ist. Habe begonnen, in den Pausen\u00a0Notizen\u00a0zu machen. Zwischendrin simst ein ungarischer Bekannter mein Handy an und erkundigt sich nach Geb\u00fchren f\u00fcr Dollargesch\u00e4fte in Deutschland. Ich schmunzele, was f\u00fcr ein Tag&#8230;..!<\/p>\n<p>Die Currywurst war laktosefrei. Dies, ein zeitweise frischer Wind und mein zuverl\u00e4ssiges LC75, das ich an dieser Stelle wie ein treues Pferd zum ersten Mal namentlich erw\u00e4hne, erlauben mir nach dem Essen noch einmal 41 km draufzulegen. Zeitweise glaube ich ernsthaft, dass ich die Marke 119 km und damit Spittal erreichen kann. Aber bald f\u00fchrt der Radweg eins ums andere Mal und wieder und immer und wieder und wieder vom Fluss weg und folgt der in Schlangenlinien auf und ab und auf und ab und auf f\u00fchrenden und die h\u00f6her gelegenen Einzelh\u00f6fe verbindenden Seitenstra\u00dfe. Mir geht die Puste aus.<\/p>\n<p>Zudem zwingt mich ein heraufziehendes Gewitter zu zwei Pausen. Die erste verbringe ich vorsichtshalber untergestellt ohne dass etwas passiert, bis ich mir sicher bin, dass das Gewitter an den Bergen h\u00e4ngen geblieben ist. Kaum bin ich beruhigt losgefahren, f\u00e4ngt es an zu tr\u00f6pfeln. Ich rette mich vor dem folgenden Schutt noch unter das Dach eines zur Stra\u00dfe hin offenen Ger\u00e4teschuppens. Vor meinen Augen ein unerwartetes Schauspiel: eine Handvoll bis gerade eben stoisch vor sich hin weidender K\u00fche f\u00e4ngt bei den ersten Tropfen das Laufen an und fl\u00fcchtet im gebockten Galopp in Richtung des nahegelegenen Geh\u00f6fts. Dort bleiben sie wiederum ruhig stehen. Niemand l\u00e4sst sie rein. Ich erkenne aber die Zeichen der Zeit, lasse Spittal sausen, fahre nur noch die 100 km rund und nehme Quartier im Goldenen R\u00f6ssl in Sachsenburg an der Drau.<\/p>\n<p>Das R\u00f6ssl wirkt zun\u00e4chst etwas spr\u00f6de, ich erwarte eine Art Arbeits\u00fcbernachtung vor neuen Taten morgen. Nach dem Duschen \u00fcberraschen mich die Auswahl und die Qualit\u00e4t der angebotenen Weine, darunter ein trocken vergorener gelber Muskateller. Beim sp\u00e4ten Abendessen verz\u00fcckt mich eine \u00fcppige Portion perfekt gegarten und mit Raclette-K\u00e4se gratinierten Spargels, begleitet von superben jungen Kartoffeln und ein wenig Serrano. Die aufgelegte Lavendelbl\u00fcte adelt das Gericht. Vom Zweigelt m\u00fcssen wir nicht sprechen.<\/p>\n<p>Ite hodie missa est. Mehr geht nicht.<\/p>\n<p><strong>Die Zahlen<\/strong><\/p>\n<p>Tageskilometer: 104,4<br \/>\nGesamtkilometer: 694,4<br \/>\nFahrzeit heute: 5 Stunden 40 Minuten netto, etliche Pausen<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Freitag, 19. 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